Impuls von Manfred Rosen
Wie wir Kinder dabei unterstützen, sich in sich zuhause zu fühlen
Ein Impuls von Zen Meister Manfred Rosen

Erwachsene als Vorbilder, Lehrer*innen, die Achtsamkeit verkörpern und auch Achtsamkeit im Unterricht tragen dazu bei, dass Kinder sich in sich „Zuhause“ fühlen können. Das bedeutet, dass sie innerlich ein grundlegendes Gefühl von Sicherheit, Angenommensein und Lebendigkeit erfahren.
Achtsamkeit ist aus der Erfahrung von Menschen entstanden, dass sie nicht allein und isoliert dem Leben gegenüberstehen, sondern dass sie dieses Leben sind in all der Fülle seiner Formen. Das klingt spirituell aber nicht im Sinne von geheimnisvoll sondern im Sinne einer alltäglichen Lebenspraxis, die von Präsenz und Vertrauen geprägt ist.
Ein Kind, das sich innerlich Zuhause fühlt, entwickelt Vertrauen in sich, in andere und in das Leben. Es erlebt, so wie ich bin, darf ich da sein:
- Ich darf fühlen, was ich fühle
- Ich darf Bedürfnisse haben,
- Ich darf neugierig sein und Fehler machen und trotzdem verbunden bleiben.
Dieses innere Zuhause wächst durch Beziehung. Es braucht verlässliche Bezugspersonen, emotionale Resonanz, Schutz, Zugehörigkeit, und das Gefühl, wirklich gesehen zu werden.
Ein Kind lernt zuerst durch andere Menschen, wie es sich selbst wahrnimmt. Wenn Bezugspersonen aufmerksam, präsent, emotional erreichbar und nicht dauerhaft wertend oder abweisend sind, dann erlebt das Kind: Meine Empfindungen dürfen da sein. Ich werde wahrgenommen und muss mich nicht verstecken.
Dadurch entsteht allmählich eine innere Fähigkeit, bei sich zu bleiben, sich nicht so leicht ablenken zu lassen und sich nicht von Reizen überfluten zu lassen.
Ein Kind, das sich selbst spüren darf, entwickelt eher eine sensible Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Gefühle. Das stärkt die Fähigkeit zur Selbstregulation und gibt innere Sicherheit. Dann wird Achtsamkeit nicht bloß Aufmerksamkeit, sondern eine freundliche Beziehung zum eigenen Erleben.
Kinder, die dauerhaft Angst, Beschämung, Unsicherheit, emotionale Unberechenbarkeit, oder gar Traumatisierung erleben, müssen oft Strategien entwickeln wie Abschalten, Anpassen, Unterdrücken, Dissoziieren oder Kontrollieren der Umgebung. Dann wird es schwer, sich „in sich“ sicher zu fühlen. Der innere Raum wirkt dann eher gefährlich oder chaotisch.
Achtsamkeit ist nicht Selbstkontrolle. Gerade bei Kindern bedeutet Achtsamkeit nicht brav sein, Gefühle unterdrücken und einfach nur funktionieren. Achtsamkeit bei Kindern bedeutet, lebendig wahrnehmen dürfen, Gefühle bemerken, im Kontakt bleiben, sich ausdrücken können und dennoch gehalten sein.
Sich in sich Zuhause fühlen heißt, mit dem eigenen Erleben in Kontakt sein zu können, ohne davor fliehen zu müssen. Genau darin berühren sich sichere Beziehung, Selbstgefühl, Präsenz und Achtsamkeit.
Auch Vorbilder in der Schule können dafür enorm wichtig sein, manchmal sogar lebensverändernd. Nicht unbedingt durch perfekte Methoden, sondern durch die Qualität ihrer Beziehung und Präsenz. Kinder fühlen sich oft dann mehr „in sich Zuhause“, wenn Schule nicht nur Leistung bewertet, sondern ihr Menschsein mitträgt.
Dazu gehören viele kleine Erfahrungen:
1. Gesehen werden
Kinder brauchen das Gefühl, ich werde wahrgenommen, nicht nur bewertet. Das entsteht zum Beispiel durch Blickkontakt, echtes Zuhören, Interesse an ihrer Welt zeigen. Gerade in vielfältiger Weise belastete Kinder erleben häufig, funktionieren zu müssen, ohne wirklich gesehen zu werden.
2. Emotionale Sicherheit
Kinder lernen besser, wenn ihr Nervensystem nicht dauerhaft im Stress ist. Erwachsene können Sicherheit vermitteln durch: Verlässlichkeit, klare Strukturen, ruhige Präsenz, berechenbare Reaktionen, respektvolle Grenzen.
Nicht Angst, sondern Orientierung hilft Entwicklung.
3. Gefühle dürfen da sein
Wenn Kinder erleben, dass Angst, Wut, Unsicherheit, Freude oder Scham grundsätzlich existieren dürfen, dann müssen sie weniger verdrängen oder abspalten. Das bedeutet nicht, alles Verhalten gutzuheißen. Aber eben, Gefühle wahrnehmen, ohne das Kind als Person abzuwerten.
4. Nicht nur Defizite sehen
Viele Kinder erleben Schule vor allem als Ort des Vergleichs. Lehrer*innen können dagegen Räume schaffen, in denen Kinder ihre eigenen Fähigkeiten erfahren und entwickeln wie Kreativität, Humor, Sensibilität, Neugier und soziale Kompetenzen. Dann entsteht Selbstwert nicht nur über Leistung.
5. Präsenz statt Dauerkontrolle
Kinder spüren sehr genau, ob Erwachsene wirklich anwesend, innerlich ruhig und interessiert sind oder nur kontrollieren.
Jemand, der Achtsamkeit verkörpert wirkt oft regulierend, ohne ständig eingreifen zu müssen.
6. Beziehung vor Pädagogik
Besonders in belasteten oder traumatisierten Lebensgeschichten gilt oft, Beziehung ist die Voraussetzung für Lernen. Ein Kind, das sich innerlich bedroht fühlt, kann kaum offen lernen. Darum ist die Qualität der Beziehung nicht nebensächlich. sie ist häufig die Grundlage.
7. Scheitern ohne Trauma
Kinder brauchen Räume, in denen sie scheitern dürfen, ohne ihren Wert zu verlieren. Dann lernen sie, Ich bin mehr als meine Leistung und werde gehalten, auch wenn ich falle. Das ist zentral, um sich innerlich sicher zu fühlen.
8. Erwachsene, die selbst verbunden sind
Kinder spüren sehr gut, wie es Erwachsenen geht und erleben, wie sie mit sich selbst und anderen umgehen. Wie soll jemand, der bei sich selbst nicht „Zuhause“ ist, Kindern genau diese Erfahrung vermitteln? Darum kann für pädagogische Mitarbeiter*innen und Lehrkräfte eine eigene innere Achtsamkeitspraxis, also eine einfache, regelmäßige spirituelle Übung, die Grundlage bilden für ein erfüllendes berufliches und menschliches Dasein für sich selbst und andere, vor allem unsere Kinder.
Lernen mit Achtsamkeit und Stille
Lernen mit Achtsamkeit und Stille ist ein Programm, das Pädagog*innen und Lehrkräfte befähigt, ihre Achtsamkeit zu entfalten und zu vertiefen. Im schulischen Alltag können sie dann den Kindern durch ihre Haltung und Präsenz diese Achtsamkeit nicht als Technik sondern als Beziehungserfahrung vermitteln.
Die Qualität einer Beziehung ist grundlegend für das Lernen. Kinder spüren, ob Erwachsene selbst einigermaßen in Kontakt mit sich, emotional reguliert und menschlich erreichbar sind.
Lehrer*innen, die selbst nur unter Dauerstress, Angst oder Selbstentfremdung stehen, können schwer innere Sicherheit vermitteln. Lernen mit Achtsamkeit und Stille ist ein Programm, das nicht nur vielfältige Übungen zur Achtsamkeit im Klassenzimmer vermittelt. Durch eigene spirituelle Praxis, einer einfachen Übung der Atemwahrnehmung, vermittelt es die entsprechende Haltung, damit Beziehungen in Achtsamkeit sich entfalten können
Deutlich über 80% der Teilnehmer*innen aus den letzten drei Weiterbildungen sagen, dass sie achtsamer mit sich und ihren Schüler*innen umgehen. Knapp 80% gehen gelassener mit stressigen Situationen um und fühlen sich im Unterricht präsenter. Achtsamkeit hilft auch uns Erwachsenen dabei, sich „in sich selbst zuhause“ zu fühlen.
Die Weiterbildung wird erneut von der Karl-Schlecht Stiftung gefördert.

Teilnehmer:innen aus Baden-Württemberg erhalten daher auf Anfrage an k.rudolph@west-oestliche-weisheit.de eine besondere Förderung. Lehrkräfte aus Bayern Berlin, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen können sich auch über ihre jeweiligen Bildungsserver der Kultusministerien für die Weiterbildung anmelden.
Hier geht es direkt zur Anmeldung auf der Website des Benediktushofs.