Willigis Jäger auf einer Bank am Benediktushof

Biographie Willigis Jäger

Über uns

Biographie Willigis Jäger

Seine Vision

Willigis Jäger (1925-2020) war einer der bedeutendsten zeitgenössischen Wegbereiter einer religions- und konfessionsübergreifenden Spiritualität.

Seine Vision war es, die östlichen Weisheits-Traditionen zusammen mit denen der christlichen Kontemplation zu erfahren und zusammenzuführen. Er war zeitlebens Benediktinermönch und es war ihm ein Herzensanliegen, Menschen bei ihrer Suche nach einer Sinndeutung ihres Lebens zu unterstützen. Dazu wollte er die alte christliche Tradition der Mystik und der Kontemplation wiederbeleben und sie in die Kirche zurückholen. Um geeignete praktische Instrumente zur eigenen Erfahrung zu finden, machte er sich auf in den Osten, um in Japan bei einem Zen-Meister in die Lehre zu gehen.

Das EINE ist meine wahr Natur und die Natur aller Wesen. Es ist zeitlos und unwandelbar, es entfaltet sich in der Zeit. Es offenbart sich als diese Form, die ich bin.

Willigis Jäger

Willigis Jäger im Zendo
Als Willigis Jäger als autorisierter Zen-Lehrer zurückkam, gab er diese Praxis nicht nur in seinen Zen-Kursen wieder, sondern belebte mit ihr auch die Traditionen der christlichen Kontemplation. So sind die christliche Kontemplation und das Zen die beiden Säulen, auf denen die Meditationspraxis auf dem Benediktushof, der Wirkungsstätte von Willigis Jäger, ruht.

Willigis Jäger

Sein Wirken

Willigis Jäger inspirierte viele Menschen und begleitete sie als spiritueller Lehrer.

Er personifizierte mit seinem Leben die Sehnsucht nach Verstehen und Einheit. Seine Haltung war geprägt von Unbeugsamkeit, Mut und Tatkraft.

Sein Wirken setzt sich am Benediktushof und im Engagement seiner Stiftung für die Erforschung, Gestaltung und Förderung zeitgenössischer Spiritualität fort.

Durch Willigis durfte ich Zen kennenlernen, er brachte mir die Zen-Weisheit in der Koan Schulung nahe, begeisterte mich dafür und ließ Zen zu meiner Lebenshaltung werden.

Doris Zölls, Mitglied der Leitung der Zen-Linie „Leere Wolke“

Das, was Willigis Jäger auszeichnet, ist die Tatsache, dass er einige der möglichen Antworten auf die Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Gott und nach uns selbst existenziell durchlebt und durchschmerzt hat. So werden seine wichtigsten Einsichten und Erkenntnisse und die daraus resultierenden Konsequenzen für seinen Alltag zu kostbaren perspektiven für uns alle. Nicht nur er, sondern sein Weg wird dadurch unsterblich.

Alexander Poraj, Mitglied der Leitung der Zen-Linie „Leere Wolke“

Stationen Willigis Jäger

Sein Weg zum Priester und Zen-Meister

Studium und Priesterweihe

1925 wurde Willigis Jäger in Hösbach bei Aschaffenburg geboren. Unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges trat er in die Benediktinerabtei Münsterschwarzach ein und begann 1948 das Philosophie- und Theologiestudium.

1952 wurde er zum Priester geweiht und arbeitete als Präfekt und Lehrer im Internat und Gymnasium der Abtei Münsterschwarzach.

1960 wurde er Referent für Mission und Entwicklung beim Bund Deutscher katholischer Jugend und Mitbegründer der ökumenischen Aktion Missio, die ihn in viele Länder der Dritten Welt führte, auch nach Asien und Japan.

Beginn seines Zen-Wegs

Die Begegnungen mit Hugo E. Lasalle und Yamada Ko-Un Roshi, dessen Schüler Willigis Jäger ab 1972 wurde, initiierten ihn auf dem Weg des Zen. Willigis Jäger begann eine intensive Übung des Zazen mit 6-jährigem Aufenthalt in Japan und Koan-Schulung unter Yamada Ko-Un Roshi. 1980 erhielt Willigis Jäger von ihm die Erlaubnis Zen zu lehren. 1996 wurde Willigis Jäger als Zenmeister und 87. Nachfolger von Shakyamuni Buddha bestätigt.

Konflikt mit der katholischen Kirche

Im Jahr 2000 begannen Auseinandersetzungen mit der römischen Glaubenskongregation unter ihrem damaligen Leiter Kardinal Josef Ratzinger. Sie basierten auf dem Vorwurf, Willigis Jäger ordne die dogmatischen Glaubensinhalte der persönlichen Erfahrung unter.

2002 erteilte ihm die Glaubenskongregation ein Rede- und Schreibverbot, an das er sich wegen seiner breiten Schülerschaft nicht hielt. Eine Beurlaubung aus der Klostergemeinschaft (Exklaustrierung), deren Mitglied Willigis Jäger auch danach blieb, erfolgte in gegenseitigem Einvernehmen.

Gründung des Benediktushofs, der Stiftung und seiner Linien

2003 entstand, dank der Unterstützung seitens der Unternehmerin Gertraud Gruber, seine neue Wirkungsstätte, der Benediktushof im unterfränkischen Holzkirchen. Dieser entwickelte sich schnell zu einem der bedeutendsten Zentren für Meditation und Achtsamkeit in Europa.

2007 rief Willigis Jäger mit der Unterstützung seiner Weggefährten die „West-Östliche Weisheit Willigis Jäger Stiftung“ mit Sitz auf dem Benediktushof ins Leben.

Im Juni 2009 gründete er seine eigene Zen-Linie „Leere Wolke“ und empfing im gleichen Jahr vom chinesischen Chan-Großmeister Jing Hui im Bailintempel erneut die Bestätigung als Chan (Zen)-Meister und 45. Nachfolger von Lin Chi (jap. Rinzai).

2010 gründete Willigis Jäger die Kontemplationslinie „Wolke des Nichtwissens“. Beiden Linien haben ihren Sitz auf dem Benediktushof und werden von seinen – bereits zu Lebzeiten – ernannten Nachfolgerinnen und Nachfolgern fortgeführt.

Sein letzter Lebensabschnitt

2016 hatte sich Willigis Jäger altersbedingt von seiner langjährigen Kurs- und Lehrtätigkeit und der spirituellen Begleitung zurückgezogen, behielt aber weiterhin seinen Wohnsitz am Benediktushof.

Am 20. März 2020 ist Willigis Jäger kurz nach seinem 95. Geburtstag friedlich eingeschlafen. Bis zuletzt wurde er auf dem Benediktushof von ihm nahestehenden Personen liebevoll begleitet und betreut. Entsprechend seinem Wunsch ist seine letzte Ruhestätte auf dem Klosterfriedhof der Abtei Münsterschwarzach, deren Ordensbruder er bis zu seinem Lebensende blieb.

Die Linien


Willigis Jäger gründete eine Zen- und eine Kontemplations-Linie, in denen sich sein spiritueller Weg fortführt. Beide Linien sind inhaltlich eigenständig, aber unter dem Dach der Stiftung beheimatet. Sie entsenden jeweils ein*en Vertreter*in ins Stiftungspräsidium und gestalten so die Geschicke der Stiftung mit.

In der Tiefe sind wir schon immer Eins. Wenn ich um diese innere Einheit weiß, konnten wir uns auch streiten und es war dennoch ein Miteinander.

Pater Anselm Grün beim Stiftungssymposium 2021 über Willigis Jäger

Pater Anselm Grün und Willigis Jäger

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