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Willigis Jäger

Sein Leben

Willigis Jäger wurde 1925 in Hösbach bei Aschaffenburg geboren. Unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges trat er in die Benediktinerabtei Münsterschwarzach ein und begann 1948 das Philosophie- und Theologiestudium. 1952 wurde er zum Priester geweiht und arbeitete als Präfekt und Lehrer im Internat und Gymnasium der Abtei Münsterschwarzach.

1960 wurde er Referent für Mission und Entwicklung beim Bund Deutscher katholischer Jugend und Mitbegründer der ökumenischen Aktion Missio, die ihn in viele Länder der Dritten Welt führte, auch nach Asien und Japan.

Die Begegnungen mit Hugo E. Lasalle und Yamada Ko-Un Roshi, dessen Schüler Willigis Jäger ab 1972 wurde, initiierten ihn auf dem Weg des Zen. Willigis Jäger begann eine langjährige intensive Übung des Zazen mit 6-jährigem Aufenthalt in Japan und Koan-Schulung unter Yamada Ko-Un Roshi. 1980 erhielt Willigis Jäger von ihm die Erlaubnis Zen zu lehren.

1983 gründete er im ehemaligen Würzburger Internat der Abtei Münsterschwarzach sein erstes Zen- und Kontemplationszentrum, das Haus St. Benedikt. 1990 wurde auf seine Inspiration hin der Ökumenische Arbeitskreis kontemplatives Gebet ins Leben gerufen, aus dem später die Würzburger Schule der Kontemplation entstand.

1996 wurde Willigis Jäger als Zenmeister und 87. Nachfolger von Shakyamuni Buddha bestätigt.

Im Jahr 2000 begannen Auseinandersetzungen mit der römischen Glaubenskongregation unter ihrem damaligen Leiter Kardinal Josef Ratzinger. Sie basierten auf dem Vorwurf, Willigis Jäger ordne die dogmatischen Glaubensinhalte der persönlichen Erfahrung unter. 2002 erteilte ihm die Glaubenskongregation ein Rede- und Schreibverbot, an das er sich wegen seiner breiten Schülerschaft nicht hielt. Eine Beurlaubung aus der Klostergemeinschaft (Exklaustrierung), deren Mitglied Willigis Jäger auch danach blieb, erfolgte in gegenseitigem Einvernehmen.

2003 entstand, dank der Unterstützung seitens der Unternehmerin Gertraud Gruber, seine neue Wirkungsstätte, der Benediktushof im unterfränkischen Holzkirchen. Dieser entwickelte sich schnell zu einem der bedeutendsten Zentren für Meditation und Achtsamkeit in Europa.

2007 rief Willigis Jäger mit der Unterstützung seiner Weggefährten die „West-Östliche Weisheit Willigis Jäger Stiftung“ mit Sitz auf dem Benediktushof ins Leben. Deren Aufgabe ist es, die zeitgenössische Spiritualität zu erforschen, zu entwickeln und zu fördern und somit sein Lebenswerk weiterzuführen.

Im Juni 2009 gründete er seine eigene Zen-Linie „Leere Wolke“ und empfing im gleichen Jahr vom chinesischen Chan-Großmeister Jing Hui im Bailintempel erneut die Bestätigung als Chan (Zen)-Meister und 45. Nachfolger von Lin Chi (jap. Rinzai).

2010 gründete Willigis Jäger die Kontemplationslinie „Wolke des Nichtwissens“. Beiden Linien haben ihren Sitz auf dem Benediktushof und werden von seinen – bereits zu Lebzeiten – ernannten Nachfolgern fortgeführt.

2016 hatte sich Willigis Jäger altersbedingt von seiner langjährigen Kurs- und Lehrtätigkeit und der spirituellen Begleitung zurückgezogen, behielt aber weiterhin seinen Wohnsitz am Benediktushof.

Am 20. März 2020 ist Willigis Jäger kurz nach seinem 95. Geburtstag friedlich von uns gegangen. Bis zuletzt wurde er auf dem Benediktushof von ihm nahestehenden Personen liebevoll begleitet und betreut. Entsprechend seinem Wunsch ist seine letzte Ruhestätte auf dem Klosterfriedhof der Abtei Münsterschwarzach, deren Ordensbruder er bis zu seinem Lebensende blieb.