Benediktushof - Zentrum für spirituelle wege
Sommer
 

 

Alexander Poraj: Holiday Drucken

Gedanken zur Urlaubszeit

 

Es ist Sommer. Für die meisten von uns die schönste Jahreszeit, die wir mit mehr Freizeit und Urlaub in Verbindung bringen. Oft wollen wir etwas anderes und Besonderes erleben. Wir wollen weit weg fahren, um das Zuhause und die Arbeit endlich mal vergessen zu können. Wir nennen das „Abschalten“, und die Urlaubsangebote sollten entsprechend so reizvoll sein, dass sie in uns keine Gedanken an den Alltag aufkommen lassen. Und so, ohne dass wir es merken, laufen wir Gefahr, unangenehme oder langweilig gewordene Reize durch neue und frische zu ersetzen, und das lassen wir uns natürlich etwas kosten. Wir bestehen auch dadurch viel besser den oft stattfindenden Wettbewerb in unserem Bekanntenkreis, der mit Berichten über das „Weiter“, „Besser“ und „Schöner“ einhergeht.
 
Wie wäre es aber, wenn wir den Urlaub auch mal damit verbringen würden, einfach, bewusst und gewollt nichts zu tun? Es ist doch nicht so, dass dieser Wunsch uns wirklich so fremd wäre. Ganz im Gegenteil: Viele von uns verspüren ihn recht häufig, doch wenn es so weit ist, dann fallen wir doch wieder ins Gewohnte oder lassen uns überreden, fahren Tausende Kilometer und sind meist wieder schnell gereizt, weil wir uns erneut einer Reizflut aussetzen. Vom Nichtstun bleib da oft wenig übrig.
 
Warum ist das so? Warum fällt uns das bewusste und wache Nichtstun nicht so leicht zu, wie wir es uns erhoffen und vorstellen? Weil wir darin – individuell wie kollektiv – ungeübt sind, weil wir auf Handlung und Aktivsein getrimmt werden und weil diese Haltung in vielen wichtigen gesellschaftlichen Bereichen ein hohes Ansehen genießt. Nichtstun dagegen ist unspektakulär, ist langweilig, man kann dann, wenn man es lebt, im Mainstream des täglichen Besser, Höher, Schneller nicht mithalten und wird schnell selber als langweilig und uninteressant abgestempelt – so jedenfalls die Befürchtung.
 
Nichtstun bei vollem Bewusstsein kommt aber dem ursprünglichen Wort für Urlaub, dem „vacations“ oder auch „holidays“ recht nahe denn: Im Wort „vacation“ steckt die Erfahrung des (lat.) vacare, des Leerwerdens drin und in „holiday“ das Wort „heilig“ im Sinne von „ganz“. So ist das Leerwerden die Übungszeit, die ursprünglich mit vacations gemeint war, um das Ganzsein des Lebens zu erfahren eben im Sinne des holidays.
 
Diese Erfahrung ist an sich erfüllend und auch erholend, so dass wir aus ihr heraus in die Vereinzelung des Alltags zurückkehrend erholt sind. Damit sind im Kern „holidays“ oder „vacations“ nichts anderes als Zazen oder Kontemplation, also die uns gut bekannte Übung des Daseins.
 
In diesem Sinne wünsche ich uns eine sehr erholsame Ferienzeit!
Alexander
 
 

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