Benediktushof - Zentrum für spirituelle wege
Neues vom Benediktushof
 
Rückblick: Sommerfestival 2012 Drucken

Festakt und Sommerfestival am 23. und 24. Juni 2012 

 

 

„Das Eine ist meine wahre Natur“

 

Spätestens bei den feinen Köstlichkeiten aus der Klosterküche, die das Küchenteam des Benediktushof am Samstagabend am Buffet auftischte, kamen viele der Gäste auf den Geschmack der unmittelbaren, sinnlichen Erfahrung. Einige der Zutaten hatten die Teilnehmer selbst gemeinsam mit den Küchenchefs Christoph Zirkelbach und Barbara Proske im Klostergarten geerntet und für die Speisen verarbeitet. Die Erfahrung und das direkte Erleben von Stille und Tiefe stand an beiden Tagen des diesjährigen Sommerfestivals im Mittelpunkt, in den verschiedenen Workshops wurden die Gäste eingeladen zum Malen, Musizieren, Singen, Zuhören oder Handauflegen – und konnten dabei viele mystische Traditionen und Übungswege neu entdecken.

 

In diesem Jahr hatte das Team des Benediktushofes das Sommerfestival unter das Motto „Kontemplation – Mystik heute“ gestellt, zahlreiche Schüler, Lehrer und Freunde des Hauses trugen mit ihren Vorträgen und Arbeitskreises dazu bei, neue und moderne Perspektiven zum Thema Kontemplation zu vermitteln: Denn der Begriff der Kontemplation ist keineswegs eindeutig, und die Ansichten hierzu variieren. 

 

Auch innerhalb der Würzburger Schule der Kontemplation (WSdK) gibt es mittlerweile mehrere verschiedene Kontemplationsschulen, und so entschloss sich Willigis Jäger im Jahr 2010 seine eigene Kontemplationslinie „Wolke des Nichtwissens – Kontemplationslinie Willigis Jäger“ ins Leben zu rufen. Eines seiner zentralen Motive war es, sein Verständnis des kontemplativen Übungsweges darzulegen – als Grundlage für eine künftige Ausrichtung. Im Rahmen des Sommerfestivals wurde die neue Kontemplationslinie „Wolke des Nichtwissens“ offiziell eingeweiht. Im Zentrum des kontemplativen Weges stehe die non-duale Erfahrung, dabei geht diese nach dem Verständnis von Willigis Jäger über die Konfessionen hinaus und wird von Mystikern aller Konfessionen bezeugt, wie Franz-Nikolaus Müller, ein langjähriger Wegbegleiter und Kontemplationslehrer, erläuterte. Die kontemplative Übung basiere dabei auf zwei Schwerpunkten, der Bewusstseinsvereinheitlichung mit Hilfe eines Fokus wie dem Atem, einem Laut oder dem Herzensgebet einerseits, der Bewusstseinsentleerung andererseits. Seine persönlichen Erfahrungen und viele Eindrücke aus seinem spirituellen Leben hat Willigis Jäger auch in seinem jüngsten Buch „Jenseits von Gott“ zusammengefasst, das Herausgeberin Beatrice Grimm im Rahmen des Festaktes vorstellte. Die Originalbilder aus dem Buch, die von der Künstlerin Petra Wagner angefertigt wurden, waren im Rahmen des Sommerfestivals als Sonderausstellung zu sehen. 

 

Oft wird das lateinische „contemplatio“ auch mit dem Begriff „schauen“ übersetzt, und so lenkte Doris Zölls als Vertreterin der spirituellen Leitung am Benediktushof den Blick gen Himmel: Wie sich die Wolken in jedem Moment in einer einzigartigen Form zeigten und in kürzester Zeit von einem dunklen „Wolkenungeheuer“ in ein heiteres Nichts auflösten, so sei auch jeder Moment einzigartig und unsere Gedanken und Gefühle meist nur kurzes Hirngespinst. 

Welchen Stellenwert die neue Kontemplationslinie besitzt, bezeugten die zahlreichen Gäste: So überbrachte Zen-Mönch Vanja Palmers die Grußworte von Bruder David Steindl-Rast, einem amerikanischem Benediktinermönch und weltweit aktiven Vermittler zwischen Christentum und Buddhismus. Die beiden Mönche gründeten vor 25 Jahren in Dienten am Hochkönig das „Haus der Stille“. Das WFdK (Würzburger Forum der Kontemplation), dem die Kontemplationslinie „Wolke des Nichtwissens“ unter anderen angehört, war vertreten durch Jan Sedivy und Hildegard Seng. Beide überbrachten freundliche Grußworte.

 

Welche Bedeutung spirituellen Wegen wie der Kontemplation in der modernen Welt zukommt, erläuterte Michael von Brück in seinem Festvortrag. Der Religionswissenschaftler lehrt an der Ludwig-Maximilian-Universität in München, geht seit Jahrzehnten selbst den Zen-Weg und hat zu dem Thema „Religion und Spiritualität in einer Welt ohne Maß“ ein Buch geschrieben. Die Menschen erlebten aktuell eine Welt der Umbrüche, der Krisen, des ungezügelten Kapitalismus und Terrorismus, der Umweltkatastrophen und wachsenden Armut, der Technisierung und Informationsflut und nicht selten ein persönliches Umfeld, das von Stress und Ohnmacht geprägt ist. Die drei klassischen, menschlichen Fragen nach dem Leiden, nach der Hoffnung und nach dem Tun würden vor diesem Hintergrund erneut aufgeworfen, dabei tauchen die drei Grundfragen sowohl in der Philosophie als auch in der Religion immer wieder auf: Warum müssen wir leiden? Was dürfen wir hoffen? Was sollen wir tun? Und wie kann die eigene Lebensgestaltung aussehen? Michael von Brück brachte eine oft verbreitete Ratlosigkeit zur Sprache: Wie können wir leben – in Hinblick auf das Ziel, der Ratlosigkeit und der Angst zu widerstehen, Verantwortung durch wohlüberlegtes individuelles und politisches Handeln wahrzunehmen und ein bewusst gestaltetes Leben zu führen? Einfache Antworten auf diese Fragen gebe es nicht, es gelte die Komplexität der Welt zu erkennen. Ganz persönlich gehe es um ein Wahrnehmen und Selbst-Erkennen des eigenen Bewusstseins und seiner Inhalte: Ist es geprägt von Bildern der Angst oder der Hoffnung, was ist im Rahmen unseres begrenzten Lebens möglich und was nicht? Die Entwicklung der Spiritualität, also der Schulung der Wahrnehmung und der Achtsamkeit in allen Lebensbereichen, ermögliche eine neue Deutung der Welt, des Lebens und der Rolle des Menschen. Dabei betont der Wissenschaftler aber auch das direkte Erleben: „Ich kann die Theorien, die Rituale, die äußere Gestalt der Religionen schätzen, aber in Anbetracht der Grenzen des Erkennens auch gelassen relativieren. In Wirklichkeit ist alles noch mal ganz anders, und das Tasten in die Tiefe hört nie auf“. 

 

Dass die spirituelle Übung inzwischen auch Eingang in die wissenschaftliche Forschung gefunden hat, darüber berichtete Dr. Ulrich Ott, ein Neurowissenschaftler und Diplom-Psychologe. Er stellt die Praxis auch in seinem Buch „Meditation für Skeptiker“ auf eine wissenschaftliche Basis und erläutert die Frage, was beim Meditieren in unserem Gehirn passiert: So belegt die Meditationsforschung, dass regelmäßiges Sitzen in Stille die Entspannung und Stressbewältigung sowie die Aufmerksamkeit steigert. In Versuchen wurde dafür die Gehirndurchblutung gemessen und festgestellt, dass sich durch Meditieren die graue Hirnsubstanz vermehrt. „Auch das Gehirn eines Erwachsenen ist nicht statisch, sondern entwickelt sich. Werden gewisse Funktionen über einen längeren Zeitrum nicht benutzt, entwickelt es sich zurück“, so Otts Plädoyer für eine lebenslange Übung. 

 

Welch zentrale Bedeutung dem Atem in den mystischen Wegen aller Religionen zukommt, erläuterte Prof. Dr. Bettina Bäumer. Sie gilt als hervorragende Sanskritkennerin und hat viele traditionelle Sanskrittexte übersetzt und kommentiert, die vielfach von Erfahrungen und Beschreibungen des non-dualistischen Denkens geprägt sind. Eines der zentralen Anliegen Bäumers ist, die Religionen als gegenseitige Ergänzung und Bereicherung zu begreifen und so widmete sie ihren Vortrag dem Weg der Vergöttlichung im Shivaismus und Hinduismus. Jeder könne das Göttliche in sich realisieren, im Shivaismus gebe es über hundert Meditationsweisen für eben jene Einswerdung mit dem Göttlichen. 

 

"Das Eine ist meine wahre Natur" war das Motto des Konzertes am Samstagabend, das Imke McMurtrie, Dr. Dominik Sevidy, Jürgen Lehmann und das Ensemble Archikon mit spiritueller Musik, Texten und der Betrachtung von Ikonen umsetzten. Das Motto zog sich aber auch wie ein roter Faden durch alle Arbeitskreise und Veranstaltungen des Wochenendes: Die Malerin Petra Wagner führte die Gäste in die stille Erfahrung der eigenen Kreativität und der inneren Bewegung, Dr. Maria-Gabriele Wosien lud ein zum sakralen Tanz, der auch als Gebet der Bewegung empfunden wird, Jan Sedivy und Dr. Dominik Sedivy stellten die Musik als mystisches Medium vor: „Sie kann in die Tiefe führen, wo der Mensch sich selbst als Musik erlebt“. Mit Ikonen und alten Gesängen kamen auch zwei Traditionen zum Zug: Jürgen Lehmann führte in die Kunstgeschichte und Spiritualität dieser Heiligenbilder ein und zeigte verschiedene farbenfrohe Exemplare. Imke McMurtrie vermittelte in ihrem Workshop Lieder der Weltkultur. 

Was achtsame und liebevolle Hinwendung im Körper bewirken kann, zeigte Anne Höfler in ihrer Einführung ins Handauflegen. Sie geht seit Jahrzehnten den Weg der Kontemplation und hat die Schule des Handauflegens gegründet, für sie eine Art stilles Gebet. Und auch den Übungsweg der Kontemplation im Sinne der Kontemplationslinie „Wolke des Nichtwissens“ konnten die Gäste im Rahmen des Sommerfestivals erleben und kennenlernen: Willigis Jäger sowie Fernand Braun führten mit Anleitungen und persönlichen Erfahrungen an die Praxis heran und vermittelten einen ersten Geschmack. 

 

Mit humorvollen Betrachtungen über die "Wolke voll Nichtwissen“ gelang es Clown Nikolosi mit unglaublicher Leichtigkeit die humorvolle Seite des Übungsweges sichtbar zu machen und die Gäste zum Lachen und Schmunzeln zu bringen.

Getragen von Zeiten der Stille und wunderbar versorgt von köstlichem Essen, erlebten die Besucher eine erfüllte und erfahrungsreiche gemeinsame Zeit.   

 

(Barbara Simon, Petra Wagner)

 

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