Benediktushof - Zentrum für spirituelle wege
Zen
 
Kornelius Roth: Trauma und Spiritualität Drucken

Dr. Kornelius Roth über Traumata als Erfahrungen, durch die spirituelle Grundfragen aufgeworfen werden.

 

Ein Trauma ist ein Ereignis, bei dem ein Mensch mit dem tatsächlichen oder drohenden Tod oder zumindest mit Gefahr für die eigene körperliche Unversehrtheit konfrontiert wird. 
 
Ca. 50% der Menschen haben einmal oder mehrmals eine traumatische Erfahrung in ihrem Leben gemacht. Man kann kollektive Traumata unterscheiden, die Menschen z.B. bei einer Naturkatastrophe erleiden. Das ist eine belastende Erfahrung, die man, wenn man überlebt hat, jedoch mit anderen teilt. Das Ereignis wird öffentlich wahrgenommen und man sitzt sozusagen in einem Boot mit anderen Betroffenen. Das solidarisiert. 
 
Das Einzeltrauma hingegen, welches ein einzelner Mensch durch andere erleidet, führt oft zum Rückzug des Betroffenen. In vielen Fällen schämt sich das Opfer für das, was ihm angetan wurde. Deshalb erzählen so wenig Betroffene von ihren Erlebnissen. Die individuellen Traumata können Scham- und Schuldgefühle hervorrufen und isolieren. Gerade Kinder nehmen die Schuld der Täter auf sich. Wenn ein traumatisches Ereignis nicht verarbeitet werden kann, kann sich später eine Vielzahl von Symptomen entwickeln, die die Entwicklung seelischer Erkrankungen begünstigen.
 
In der Psychotherapie entwickelt sich langsam das volle Verständnis für die inneren Zusammenhänge und Auswirkungen traumatischer Ereignisse. Auch das Bewusstsein dafür in unserer Gesellschaft hat sich verändert. Die körperliche Züchtigung von Kindern bestimmte beispielsweise noch vor 30 Jahren unseren Alltag. Biblisch begründet („Züchtige Deinen Sohn, solange Hoffnung da ist.“), sahen viele Eltern das Schlagen ihrer Kinder als ihr Recht und ihre Pflicht an. Heute ist das in Deutschland eine Straftat.
 
Dass Psychotherapie nachweislich hilft, ist bekannt. Warum wird in diesem Zusammenhang das Thema Spiritualität aufgegriffen? Ein Trauma bringt den Menschen real oder gefühlsmäßig in Todesnähe. Aus der existenziellen Bedrohung heraus entsteht oft eine innere Auseinandersetzung mit unserer Endlichkeit: Fragen zum Leben, zum Sinn und zum Tod tun sich auf. Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie, hat aus eigener Erfahrung in der Hölle des Konzentrationslagers die Bedeutung des Lebenssinns für sein Überleben erkannt. An diesem Schnittpunkt trifft Psychotherapie auf Spiritualität. 
 
Einige schwer traumatisierte Menschen, die mit einem Bein schon in einer anderen Welt waren, berichten von Erlebnissen, die nicht den alltäglichen zuzurechnen sind. Manche beschreiben Spaltungsphänomene wie Nah-Tod-Erlebnisse, aus denen nicht nur die sogenannte dissoziative Schutzfunktion erkennbar wird, also die Fähigkeit, den Körper von der Seele abzuspalten, sondern es wurde auch ein unbekanntes Gefühl von Geborgensein, Aufgehobensein in etwas Größerem erlebt. Andere sehen in traumatischen Situationen beispielsweise real vorhandene Gegenstände, die sie nach menschlichem Ermessen nicht gesehen haben können. Hier werden offensichtlich Fähigkeiten freigesetzt, von denen man annehmen kann, dass bei einem schweren Trauma „die Horizontale der Vertikalen“ begegnet. Manche entwickeln Kräfte, die sie förmlich über sich hinauswachsen lassen, auch im Sinne einer Begegnung in einer transzendenten Dimension. Für viele ist es der Anfang einer spirituellen Suche.
 
Ein Betroffener sagte einmal: „Religion ist für Menschen, die nicht in die Hölle kommen wollen. Spiritualität hingegen ist für Menschen, die schon in der Hölle waren.“ Bei der Bewältigung der Traumatisierung geht es weniger um irgendwelche religiösen Fundamente oder Glaubensantworten, sondern um eine Spiritualität, die helfen kann, wieder zu einem vollen Leben aufzuwachen. Wie sagte es Johannes XXIII.? „Es geht darum, das Feuer zu hüten und nicht die Asche aufzubewahren.“
 
Spiritualität ist in diesem Zusammenhang religionsübergreifend als eine Art Weisheit des Herzens zu sehen, eine Brücke, die immer mehr Fragen als Antworten hat, welche aber dazu beitragen kann, lebensadäquat mit unseren Verwundungen umzugehen.
 

 
Kornelius Roth ist 1. Vorsitzender des Förderkreises für Ganzheitsmedizin Bad Herrenalb im Schwarzwald, der vom 12. bis 14. Oktober 2012 den zweiten deutschen Traumakongress „'Über-Wunden': Trauma, Genesung und Spiritualität“ veranstaltet.
 
 

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