Benediktushof - Zentrum für spirituelle wege
Zen
 
Willigis Jäger: Christus und Buddha Drucken

Willigis Jäger vergleicht zwei Menschen, die uns zu unserem wahren Wesen führen wollten.

 

 

Der lächelnde Buddha und der leidende Christus – was haben sie gemein? Wenn man beide miteinander vergleichen will, dann darf man nicht Buddha mit Jesus vergleichen, sondern entweder Buddha mit Christus oder Shakyamuni mit Jesus. 

 
Der Gekreuzigte ist nicht das eigentliche Christusbild. Bis ins 10. Jahrhundert hinein gab es kein Kreuz mit einem Kruzifixus. Es gab die Crux gemmata, das edelsteinbesetzte Kreuz, und die Maiestas, den triumphierenden Christus, der auf dem Kreuz steht. Nicht der gekreuzigte Jesus ist die wichtigste Christusfigur, sondern der Auferstandene. Der Karfreitag wird leider oft mehr betont als der Ostersonntag. Der auferstandene Jesus war der Christus der Frühzeit.
 
Shakyamuni (Siddhartha Gautama) stammt aus dem Geschlecht der Shakya in Kapilavastu im heutigen Nepal. Sein Vater Suddhodana war Oberhaupt der Shakyas, seine Mutter Mayadevi starb sieben Jahre nach seiner Geburt. Siddhartha wurde von einer Tante mütterlicherseits aufgezogen. Mit 16 Jahren heiratete er Yashodhara, er hatte einen Sohn namens Rahula. Mit 29 Jahren trennte er sich von seiner Familie und begann sein Leben als Mönch. 
 
Bei seiner Empfängnis soll seine Mutter geträumt haben, ein Boddhisattva gehe in ihren Leib ein. Nach neun Monaten gebiert sie aus der rechten Hüfte Siddhartha, während sie sich an den Zweigen eines Baumes festhält. Ihr Schoß bleibt unverletzt. Nach der Geburt kommt ein alter Mann, ein Weiser namens Asita. Er schaut das Kind an und beginnt zu weinen. Der König, sein Vater, fragt ihn nach dem Grund. Der heilige Mann antwortet, das Kind werde ein großer Lehrer der Welt, er selber sei aber zu alt, um es noch zu erleben, und deshalb weine er. 
 
Bei Jesus tritt an die Stelle des Boddhisatva die Taube als Heiliger Geist. Maria gebiert ihren Sohn und bleibt Jungfrau. Ein Weiser namens Simeon weissagt, wie bei Shakyamuni, das Kind sei zu den Menschen gesandt. Eine Frau Hanna verkündet den Menschen, dass die Juden auf dieses Kind gewartet haben. 
 
Jesus stieg mit seiner Lehre vom „Reich Gottes in uns“ aus der jüdischen Tradition aus. „Du musst wiedergeboren werden“, sagt er zu Nikodemus. Das heißt: Du musst hier und jetzt, nicht in einem späteren Leben, aus der traditionellen religiösen Vorstellung heraustreten. Am Brunnen von Samaria erklärt Jesus der Frau: Gott wird nicht auf dem Berg in Jerusalem und auch nicht auf eurem Berg in Samaria angebetet. Er wird im Geist und in der Wahrheit angebetet. Im Christentum wie im Buddhismus wehrten sich die Traditionalisten gegen eine solche Auffassung. Aber ein Übersteigen der Konfession in eine transkonfessionelle Sicht des Lebens ist das Anliegen unserer Zeit. 
 
Shakyamuni und Jesus erfuhren ihr wahres Wesen. Shakyamuni rief aus: „Ich bin der Einzige im Himmel und auf Erden.“ Wenn die Ichgrenze fällt, kann jeder einzelne das sagen. Der Kern der Erfahrung von Shakyamuni ist: „Alle Wesen haben von Anfang an diese Urnatur“. Und der Kern von Jesu Erfahrung: „Das Reich Gottes ist in euch“.  
 
Jesus wurde bei der Taufe diese Einheit mit der Urnatur, die in der Bibel „Gott“ genannt wird, gleichsam von oben bestätigt. „Dieser ist mein geliebter Sohn“. An einer anderen Stelle sagt er selber: „Bevor Abraham ward, bin ich“. Auch Jesus hat die Einheit mit allen Lebewesen bestätigt, als er Philippus ermahnte: „Philippus, solange bin ich bei euch und du weißt immer noch nicht: Wer mich sieht, sieht den Vater.“ Und wir können fortfahren: Wer Dich sieht, sieht den Vater. Vater ist bei Jesus kein personales Wesen, sondern der Urgrund des Seins. Es gibt nichts, was nicht Sohn Gottes wäre. Die Verklärung Jesu ist eine Erleuchtungserfahrung ähnlich der von Shakyamuni. 
  
Was sind die Gemeinsamkeiten in der Botschaft beider? 
 
Beide werden jungfräulich geboren.
Beide werden vom Teufel versucht (Mara).
Beiden wird Wundertätigkeit nachgesagt.
Beide gehen übers Wasser (See Gennesaret – Ganges).
Beide stehen der Wundertätigkeit skeptisch gegenüber. 
Beide werden vom Volk als Heiler angesehen. 
Beide sind Wanderprediger.
Beide ignorieren das Kastenwesen (Jesus wendet sich Dirnen und Zöllnern zu).
Beide nehmen Frauen in ihr Gefolge auf. 
Beiden führen in die Quelle des Seins, um frei zu werden von Egozentrik.
 
Jesus Christus: „Alles Volk suchte ihn anzurühren; denn es ging Kraft von ihm aus und er heilte sie alle.“ (Lk 6,19) 
 
Shakyamuni Buddha: „Ein solch Voll-Erwachter bin ich, Wundarzt ohnegleichen.“
 

Kurse

30.04.2017
Vipassana ...  mehr

30.04.2017
Kontemplation Intensiv ...  mehr

30.04.2017
Zen-Einführung ...  mehr

04.05.2017
Haiku fotografieren ...  mehr

weitere ...
29.04.2017
Zen am Samstag ...  mehr

30.04.2017
Vegan-Vegetarisches Brunch im TROAND ...  mehr

01.05.2017
Heilpflanzentag Frühling ...  mehr

01.05.2017
Feiertags-Schlemmer-Büffet im TROAND ...  mehr

weitere ...

Bestellung Programmheft

Hier können Sie das gedruckte Programmheft anfordern oder dieses als PDF Datei herunterladen:

 

Programmheft anfordern