Benediktushof - Zentrum für spirituelle wege
Zen
 
Katharina Ceming: Auf dem Weg zur Freiheit Drucken

Apl. Prof. Dr. Dr. Katharina Ceming betrachtet Jesus und Buddha auf dem Weg zur Freiheit.

 
Wer von außen auf Jesus und Buddha blickt, dem fallen vermutlich zuerst die Unterschiede ein. Hier der jüdische Prediger, der aus einfachen Verhältnissen stammt und von der Gottesliebe und dem kommenden Reich Gottes predigt, das jedem offen steht, der umkehrt, seine Sünden bereut und sich gläubig Gott anvertraut. Der durch das Martyrium des römischen Strafsystems hindurchgeprügelt wird, Leid und Grausamkeit erfahren muss und sich am Ende seines kurzen Lebens die Frage nach dem Sinn seines Leidens stellt, ja sich zumindest kurzzeitig von seinem Gott, in dessen Dienst er sich völlig stellte, verlassen und verraten fühlt.
 
Dort der Weisheitslehrer und Mönch, der aus den oberen Schichten der hinduistischen Gesellschaft stammt, wohlbehütet aufwächst und zumindest der Legende nach erst im Alter von 29 Jahren mit Krankheit, Alter und Tod in Berührung kommt. Der den Götterglauben und den damit verbundenen Kult seiner hinduistischen Umwelt für bedeutungslos erklärt. Der die Menschen nicht auffordert, ihm zu glauben, sondern selbst zu erkennen. Der nicht von Sünde und Erlösung durch Gottesliebe, sondern von Karma und Erlösung durch Selbsterkenntnis spricht. Der das Leiden als zu überwindendes Übel betrachtet. Der im Alter von 35 sein Lebensziel, die Erleuchtung erreicht, und von da an 45 Jahre predigend durch die Lande zieht und im hohen Alter frei von Leiden und Leidenschaften ins Nirvana eingeht.
 
Hier also das Christentum, das Tod, Sterben und Leiden für heilsnotwendig erklärt, dort der Buddhismus, der sich Leidfreiheit auf seine Fahnen geschrieben hat. Unterschiedlicher können Lehrer und Lehren kaum sein. Und doch gibt es etwas, das beide viel enger verbindet, als es diese oberflächliche Charakterisierung vermuten lässt. Es ist eine innere Gestimmtheit, eine Ausgerichtetheit des Lebens, die beide verbindet. Allein auf der äußeren Ebene fallen bestimmte Parallelen ins Auge. Beide verlassen ihre Familien, um ein Leben als Wanderprediger zu führen. Beide kümmern sich nicht um bestehende gesellschaftliche Vorstellungen, was sich ziemt oder nicht ziemt, weil es ihnen um etwas tiefer Liegendes geht. Jesus verkehrt mit den Outlaws der jüdischen Gesellschaft, Buddha ignoriert die Kastengrenzen und -privilegien. Beide verkehren mit Frauen, belehren sie und nehmen sie als Menschen ernst. Beide sind mit der Ausrichtung ihrer jeweiligen Religionen nicht einverstanden, da sie diese als veräußerlicht erfahren. Beide wollen sie den Menschen im Zentrum seines Daseins erreichen und ihn auf die innere Quelle des Lebens ausgerichtet wissen, die man nicht durch Kult und Riten, sondern nur durch persönliche Erfahrung erlangen kann, ohne aber Kult und Riten aktiv zu bekämpfen. 
 
Und dieser letzte Punkt ist meines Erachtens der wichtigste, da sowohl Jesus wie auch Buddha eine ganz bestimmte innere Haltung des Menschen in den Mittelpunkt ihrer Lehre stellen: es geht um das Freiwerden von der Ichfixierung. Solange der Mensch nicht erkennt, dass die Identifikation mit seinem begrenzten Ego sein wahres Menschsein verhindert, lebt er in einer Unheilsituation. Jesus wie Buddha werden von ihren Anhängern als Menschen gesehen, denen es möglich ist, diese Unheilsituation aufzuheben. Interessanterweise taucht in beiden Traditionen das Bild des Heilers auf. Jesus und Buddha haben die Fähigkeit zu heilen, weil sie den Menschen Wege weisen, welche es ihnen ermöglichen, ihre Egofixierung aufzubrechen und zu erkennen, dass sie mehr sind als nur bedingte und sterbliche Wesen. Jesus und Buddha haben Menschen auf ihrem Weg, ihr wahres inneres Potential zu leben, unterstützt. Das verbindet sie über alle dogmatischen Grenzen hinweg.
 

 
Katharina Ceming hält auf dem Benediktushof das Seminar:
Auf Buddhas Spuren
Freitag, den 29. Juni 2012 um 18:00 Uhr bis Sonntag, den 01. Juli 2012 um 13:00 Uhr
€ 140,00 pro Person zzgl. Kosten für Unterk./Verpfl.
 

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