Benediktushof - Zentrum für spirituelle wege
Willigis Jäger Ostergruß
 
Fernand Braun: Ecce Homo Drucken

Ecce Homo

 

Weniger als die Hoffnung auf ihn

das ist der Mensch
einarmig
immer
 
Nur der gekreuzigte
beide Arme
weit offen
der Hier-Bin-Ich
(Hilde Domin)
 
Die Lyrikerin Hilde Domin war Jüdin und knapp den Gaskammern der Nazis entkommen. Sie lebte lange in Santo Domingo – daher der Name „Domin“ – und kam 1961 schließlich zurück nach Deutschland. 
 
Dennoch“ war für Hilde Domin ein Schlüsselwort. Sie wollte ermutigen, das „Vertrauen, dieses schwerste ABC“ immer aufs Neue zu wagen; es täglich neu zu buchstabieren. Dieses Vertrauen ist und bleibt immer ein Wagnis! Aber wir müssen es tun – solange wir atmen; ja,  bis es der Atem selbst ist! Damit beginnt die wirkliche Verwandlung, das Neuwerden – wenn auch nur „fingernagelgroß“! 
 
In ihrem Gedicht „Ecce homo“ versucht Hilde Domin die traumatische Zeit der Judenverfolgung während des Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Für sie ist es der Versuch, in ihrem Entsetzen angesichts der Shoah nicht in Sprachlosigkeit zu versinken, sondern dem letztlich Unfassbaren und Unerhörten in einer existentiell durchlittenen, poetisch-spirituellen Sprache Ausdruck zu geben. Es geht nicht um dogmatische Rechtgläubigkeit, auch nicht um ein inhaltliches Verstehen, sondern darum, den Raum zwischen und hinter den Worten zu öffnen, damit die aus der Stille hervortretende Botschaft sich dem Betreffenden und Betroffenen mitteilen kann! Für Hilde Domin war eine solche Auseinandersetzung überlebensnotwenig! 
 
Weniger als die Hoffnung auf ihn
das ist der Mensch
einarmig
immer
 
Der Mensch – einarmig – weniger als die Hoffnung, die man in ihn setzt; unfähig zu wahrer Menschlichkeit, zu einer offen-liebenden Geste! Der Mensch erscheint wie ein großes Versprechen, das jedoch uneingelöst geblieben ist. Gerade im Blick auf den „gekreuzigten“ erscheint der Mensch geradezu wie ein Verstümmelter. 
 
Nur der gekreuzigte
beide Arme
weit offen
der Hier-Bin-Ich
 
Der „gekreuzigte“  IST der wahre Mensch – ganz und gar dem Nächsten zugewandt. Im Leben wie im Tod hat er beide Arme weit offen! Gerade so ist er der „Hier-bin-ich“! Eine unüberhörbare Anspielung auf den biblischen Namen „Jahwe“ – ich bin der ich bin (da!) (Ex 3,14). Als der Wehrlose, jeder Erhabenheit Entkleidete, weist er über sich hinaus; enthüllt sich das Göttliche als das, was es ist, jenseits aller Vorstellungen und Gedanken, jeder Theologie und Philosophie!
 
Für Hilde Domin ist der „gekreuzigte“ Inbegriff aller Geschundenen, Gequälten und Verfolgten und gleichzeitig das Sinnbild erfüllten Menschseins: der  Zweiarmige ist befähigt zur bedingungslosen Liebe bis in den Tod und löst so das Versprechen „Mensch“, die Hoffnung, die wir mit Menschsein und Menschlichkeit verbinden, ein. Das Kreuz als Sinnbild menschlicher Existenz ist die unzerstörbare Liebe, die jeder Gewalt und Ablehnung „trotzt“ und nicht tot zu kriegen ist. Nirgendwo wird so radikal die scheinbar unüberbrückbare Gegensätzlichkeit von Macht und Ohnmacht, Sieg und Niederlage, Größe und Scheitern verkörpert und schließlich überwunden wie am Kreuz! Wer dem Weg des Gekreuzigten folgt, gerät an keinen Ort der Sicherheit und Geborgenheit, gerät an kein Ziel der Wünsche und Sehnsüchte, sondern ins Weglose, Ungesicherte, Ortlose. 
 
Es ist ein Weg radikaler Befreiung!
 
 

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