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Zen im 21. Jahrhundert

Eine neue Kultur der Achtsamkeit

 

In ihrem Artikel zeigt Doris Zölls, warum Zen sich zu einem Geschenk für die westliche Kultur entwickeln kann. Es nehme dem Menschen die „gefärbte Brille“ ab, durch die er die Welt normalerweise betrachte – und sein wahres Wesen tue sich auf: die grenzenlose Verbundenheit mit allen Wesen.      

 

Zen ist heute, in unserem Kulturraum, kein unbekanntes Wort mehr. Es ist fast schon zu einem Label geworden, zu einem Markenzeichen für einen besonderen Stil, mit dem man Reduktion, Geradlinigkeit, Schönheit, aber auch Qualität verbindet. Was steckt hinter dem Wort Zen?


In diesem Artikel möchte ich aufzeigen, wie eine Tradition, die im Osten sich entwickelt hat, sich heute hier im Westen nicht nur als ein exotischer Ausflug für ein paar einzelne Menschen erweist, sondern wie diese Tradition sich zu einem wichtigen Impuls für unsere Kultur gestalten kann.
Bevor ich jedoch darauf eingehe, will ich einige Gedanken zu dem Begriff Tradition in den Raum stellen.


Immer wieder höre ich, warum müssen wir fremdes Kulturgut übernehmen? Finden wir dies nicht auch in unserer eigenen Tradition?
Ist Tradition wirklich ein eigenständiges Gut, das nur einem Volk oder einem Land gehört und von anderen abgegrenzt ist?  Ist Tradition wirklich etwas statisches, etwas was immer bleibt und gilt?
 

Betrachten wir unsere abendländische Tradition, werden wir sehr schnell merken, dass sie sich aus unglaublich vielen „Traditionen“ zusammensetzt, von überall her beeinflusst ist und sich unentwegt verändert hat.
Jede Begegnung mit einer anderen Kultur, mit der ich in Austausch trete, beeinflusst mich. Bewährtes fließt mit ein, Unbrauchbares gerät in Vergessenheit.
Die deutschen Worte Austausch und Beeinflussung drücken diesen Prozess wunderbar aus. Wie ein großer Fluss immer wieder neue Zuflüsse in sich aufnimmt, sich das Wasser des einen Flusses mit dem des anderen vermischt, so schmelzen verschiedene Ströme ineinander und gestalten sich zu einem großen, mächtigen Strom.
 

Ich darf den Reichtum des anderen und damit meine ich nicht nur den wirtschaftlichen, sondern auch den geistigen Reichtum des anderen aufnehmen, in mich einfließen lassen und damit wachsen und erstarken.
Es gibt keine reine, eigenständige, von anderen abgegrenzte Tradition. Tradition ist immer ein Zusammenfließen verschiedener Ströme aus verschiedenen Richtungen, die sich für eine bestimmte Zeit an einem bestimmten Ort bewähren, Dieser Strom verengt sich jedoch, kann sogar austrocknen, wenn er keine neuen Zuläufe mehr hat. So wirken Traditionen überholt und oft skurril, wenn sie nur „aus Tradition“ überliefert werden,  nur weil es immer schon so war, und sie nicht mehr im Austausch mit neuen Einflüssen sind.
 

Eine Tradition, die sich für Neues nicht öffnet, lässt das in ihr lebendige Feuer ausgehen und verliert seine Kraft und Wärme.
Unsere Welt rückt näher zusammen, wir erfahren heute von anderen Kulturen in einer Weise, wie es bislang nicht möglich war. Wie bereichernd kann es doch sein, die Weisheit anderer kennen zu lernen, sich inspirieren und sie in einem selbst lebendig werden zu lassen.

So erlebe ich Zen als einen Impuls, der uns eine Geisteshaltung, ja eine Lebenshaltung lehrt, die für unsere Kultur nicht nur interessant, sondern sogar meines Erachtens hilfreich ist, damit unsere Tradition nicht erlischt.

 

Was ist Zen?

Das Wort Zen kommt von dem chinesischen Chan und dieses wiederum von dem Sanskritwort Dhyana, das wir in unserer Sprache als Versenkung übersetzen.

Dieses Wort Versenkung ist jedoch irreführend, wenn wir glauben, dies bedeute, in sich und seine eigene Welt zu versinken und dabei die Welt und das Außen zu vergessen.
 

Zen hat nichts damit zu tun, „abgedriftet“ zu sein, hat auch nichts damit zu tun, sich in eine andere Welt zu träumen.
Zen ist ein waches, bewusstes Wahrnehmen dessen, was ist.
Dies klingt so banal, und doch ist es unglaublich schwierig.

So beschreibt der Zen-Meister Sessan diese Sichtweise mit folgenden Worten:
„Wollen wir die Dinge sehen, wie sie sind, dann müssen wir unsere gefärbten Augengläser abnehmen. Das ist das ganze Geheimnis. Dieses Sosein der Dinge, in das wir nichts Zusätzliches oder Übernatürliches hineindeuten, ist das wahre Wunder. Die Fähigkeit, die Dinge ganz normal zu sehen, ist alles andere als banal. Wirklichkeit normal zu sehen ist keineswegs der Regelfall. Diese Art der Normalität lässt die Intuition aufkeimen.“

 

Dieses Sehen des Soseins der Dinge erfordert eine Wachheit und Bewusstheit.
So muss der Meditierende über eine längere Zeit hinweg seine Aufmerksamkeit auf einen Fokus ausrichten, ohne durch Gedanken, Gefühle oder irgendetwas anderes abgelenkt zu werden, und dennoch sollte er gleichzeitig die Welt um sich herum wahrnehmen.
Er wird sich dieser jedoch nur gewahr, ohne an sie einen Gedanken zu hängen. Zazen, das Sitzen in der Stille, zu praktizieren ist daher höchste Aktivität, ist höchste Bewusstheit, ohne irgendeine Benennung, einen Kommentar oder eine Bewertung seines Geistes.


Dieses „Gewahrsein“ lässt uns das Hier und Jetzt unmittelbar erfahren und eröffnet uns das Sosein der Dinge.
Dieses Hier und Jetzt hat keine Zeit, keinen Raum, keine Form. Es ist vergleichbar mit einem Fluss, der sich unentwegt anders erweist und doch immer derselbe ist.
 

Damit kann ich aus keinem Erleben ein Konzept machen, ich kann es nicht festschreiben, keine Lehre daraus entwickeln. Zen lässt uns in den Fluss eintauchen, ihn sollen wir erleben und uns nicht in den Wellen verwickeln.

Würden wir einen Historiker nach dem Sinn des Tees fragen, dann würden wir von den Anfängen des Tees hören, seine Kultivierung und würden viel über seine Geschichte erfahren, denn der Historiker betrachtet die Zeit und lehrt uns, woher die Dinge kommen, wohin sie gehen und wie sich die Dinge mit der Zeit verändern.
 

Würden wir einen Philosophen fragen, dann würde dieser nicht die Historie des Tees beschreiben. Er würde sich für die Form, das Sein und die Wirkung des Tees interessieren.
Zen dagegen würde Wasser heiß machen, Teeblätter in eine Kanne geben, Wasser aufgießen und einen Schluck nehmen. Aah ! Worte, Sprache, Bücher und Gelehrsamkeit können diesen Punkt nicht vermitteln. Selbst wenn wir hunderte von Büchern über Tee lesen und hunderte Vorträge über Tee hören, dann verstehen wir dennoch nicht einen Schluck. Wir erleben Tee und diese Erfahrung bleibt für immer.
 

Schiebt sich kein Hauch von Gedanke zwischen mich und dem Tee trinken, ereignet sich ein unmittelbares Erleben. Ich erfahre das Sosein des Trinkens, Ich erfahre mein eigenes Sosein, das durch keine Vorstellung getrübt ist.
Zen nennt dies: die wahre Natur aller Dinge zu erkennen.
Zen kennt daher keine Zeit und auch keinen Raum. Zen überschreitet jede Zeit und Raum, da es uns stets in dieses Hier und Jetzt führt. Dieses Hier und Jetzt ist überall, es ist in jedem Augenblick, es ist an jedem Ort.
Wie sollte Zen je in geschichtliche oder kulturelle Grenzen gefasst werden können?

 

Zen ist das Leben selbst. Zen ist das Leben wach und bewusst zu leben.
Zen geht noch weiter, es lehrt uns, zu erleben, wie sich das Leben in uns und in allem vollzieht.
Dieses sich bewusst werden dessen, was ist, vollzog sich vor 1000 Jahren nicht anders als heute. Das heißt die Zen - Praxis des reinen Gewahrseins ist immer dieselbe.
 

Auch die Sehnsucht der Menschen ihr wahres Wesen zu finden, sich ihrer selbst bewusst zu werden, unterscheidet sich heute nicht von früher, sie ist im Osten dieselbe wie im Westen. Es ist die Sehnsucht, den Sinn unseres Lebens zu finden, und sie schlummert in uns allen.
Die Aussprüche der großen Meister zeugen davon. Dogen Zenji zum Beispiel schrieb bereits im 12. Jahrhundert.

 

Zen zu studieren heißt,
sich selbst zu studieren,
sich selbst zu studieren,
heißt sich selbst vergessen,
sich selbst zu vergessen heißt,
sich von allen Dingen erweckt zu werden.

 

Klarer kann der Zen Weg nicht beschrieben werden. Dies galt damals genauso, wie heute.

Zen ist in China entstanden, jedoch nicht als eine isolierte, unabhängige Meditationspraxis, sie integrierte den Konfuzianismus, den Taoismus und bezog sich auf die tiefe Erkenntnis Buddhas, der ca. 1000 Jahre zuvor in Indien lebte. Von China kam Zen nach Japan und Korea und im 20ten Jahrhundert zog es vom Osten in den Westen.
 

Damit traf es zum ersten Mal auf eine ganz andere Kultur.
Bis dahin glaubten wir Menschen im Westen, wir hätten die einzig wahre Kultur und müssten den anderen unsere Kultur bringen.
Von Rudyard Kipling, der das Dschungelbuch geschrieben hat, gibt es Briefe aus Japan, wo er beschämt nach Hause schreibt, dass er geglaubt habe, er als Brite und Europäer wäre der einzig zivilisierte Mensch in Japan und wie er jetzt beschämt fest stellen musste, dass er der einzige Barbar sei unter zivilisierten Menschen.
 

Man schaute bis dahin nur vereinzelt wertschätzend auf die Kultur des anderen.

Dadurch, dass wir heute immer mehr von anderen Kulturen und deren Schätze erfahren, sind wir hoffentlich einen Schritt weiter und erkennen das Gut anderer Kulturen. Aber nicht nur das, vielleicht trägt die Globalisierung dazu bei, dass sich die verschiedenen Kulturen gegenseitig befruchten, sich austauschen und zu einem großen Strom der Weisheit werden.

 

Zen im 21. Jahrhundert verstehe ich als einen solchen Schritt.
Ich möchte Zen nicht in Abgrenzung zu unserer Kultur verstanden wissen, sondern ich erlebe es als eine große Bereicherung für unsere Kultur und Gesellschaft. Es ist mir ein Anliegen, die Weisheit des Zen in unsere Kultur zu „inkulturieren“.

 

Was ist die große Weisheit des Zen?

Ich habe schon angedeutet, dass es im Zen darum geht, in die Unmittelbarkeit des Lebens zu kommen. Vorgefertigte Vorstellungen und Konzepte abzulegen und damit das wahre Wesen allen Seins, unser eigenes wahres Selbst zu erfahren, und in diesem Vollzug das Sosein aller Dinge zu erkennen.
Zen macht diese Geisteshaltung am Bild des Spiegels deutlich.
 

Unser Geist soll werden, wie ein Spiegel:
Das heißt: Wenn mein Geist ein Spiegel ist, dann spiegelt sich in mir alles, was sich gerade vor mich stellt.
Tritt ein Blume vor mich, spiegelt sich in mir eine Blume, ein Tier ein Tier, ein Mensch ein Mensch. Das gilt für alles, sogar für Gedanken und Gefühle.
Ein Spiegel spiegelt alles so wider, wie es ist. Er kann nichts ausblenden, was er nicht sehen mag. Ob dick oder dünn, groß oder klein, er wertet nicht.
In dem Moment, wo etwas in den Spiegel tritt, ist es von dem Spiegelbild nicht zu unterscheiden. Das Spiegelbild ist ganz eins mit seinem Gegenüber. Mein „leerer“ Geist wird in diesem Augenblick eins mit dem ganz anderen.
Doch tritt das andere wieder aus dem Spiegel heraus, ist es verschwunden und der Spiegel ist ganz leer.
Kein Staub liegt mehr auf ihm, nennt es Zen.
 

Normalerweise arbeitet unser Geist jedoch ganz anders. Wenn in unseren Spiegel, in der Alltags-Geist-Wahrnehmung, etwas tritt, wird sofort gewertet: Das oder jenes mag ich nicht, einiges möchte ich gar nicht wahrhaben, ich will dies aus meinem Blickfeld ausblenden.
 

Es treten in unseren Spiegel Formen des Lebens, die unser Geist entweder sehr gerne oder gar nicht haben will, aber anstatt sie im nächsten Moment wieder aus dem Spiegel austreten zu lassen, hält er an ihnen als Bilder fest. Er sammelt Fotos von den Formen. Sie werden zu Eindrücken. Das Wort verweist sehr schön darauf hin, dass die Bilder sich in unseren Geist im wahrsten Sinne des Wortes eindrücken.
 

Die Bilder überlagern sich, um im Bild des Spiegels zu bleiben, unser Spiegel wird immer trüber und trüber, bis er fast blind ist und die Wirklichkeit von unseren Bildern so überlagert ist, dass wir nur noch diese Bilder sehen.

Sehr nett beschreibt dies eine kleine Geschichte von Mullah Nasrudin:

Mullah Nasrudin geht zu einem Psychologen. Dieser möchte gerne wissen, wen er vor sich hat und malt auf ein Blatt eine Gerade. „Was sehen Sie da?“ fragte er den Mullah. „Eine Frau!“ meinte Nasrudin. Etwas irritiert über die Antwort malt der Psychologe einen Kreis auf das Blatt. „Was sehen sie denn jetzt?“ „Wieder eine Frau!“ meinte der Mullah. Verwundert malte der Psychologe ein Dreieck auf das Blatt. „Und was sehen Sie jetzt?“ meinte er zu Nasrudin. Dieser schaute verschämt zur Seite und kicherte in sich hinein. „Was sehen Sie denn? Fragte der Psychologe neugierig. „Eine nackte Frau!“ antwortete Nasrudin verlegen.
„Sie sind ja besetzt von Frauen!“ entfuhr es dem Psychologen. „Was heißt das: Ich? Wer malte denn diese Dinge?“ erwiderte daraufhin Nasrudin.


Die Eindrücke in unserem Kopf sind so hartnäckig, dass wir sie nur schwer loswerden.
Sie leben in unserem Geist, sie sind zu unserer Welt geworden, und wir können nicht glauben, dass sie nicht die Wirklichkeit sind. Wir haben uns an sie gewöhnt und halten  uns daher lieber an ihnen fest, statt uns auf die unbekannte Wirklichkeit einzulassen.
 

Zen beschreibt diese Haltung, wie bereits schon oben erwähnt, als „gefärbte Brillen tragen“ durch die wir die Welt betrachten.
Zen will uns aus dieser Konzept- und Bilderwelt herausführen, nimmt uns die Brillen ab, führt uns in die Unmittelbarkeit, und lässt uns damit das SOSEIN allen Seins erkennen.
 

In der unmittelbaren Erfahrung fallen Subjekt und Objekt zusammen, Ich und Du werden eins. Es gibt kein anderes mehr und kein Ich. Alle Begriffe und Vorstellungen, alle Bewertungen und Benennungen fallen ab.
Wir erfahren uns eins mit allem.

Wenn sich kein Gedanke zwischen mir und meinem Tun schiebt, wenn Ich und Welt eins werden, tut sich mein wahre Wesen auf, das auch das wahre Wesen allen Seins ist. Dies ist dann nicht nur ein schöner philosophischer Gedanke, sondern es ist ein Erleben, und ein Erleben bleibt nicht im Kopf stecken, ein Erleben erfasst Körper, Geist und Seele.

 

Es ist die grenzenlose Verbundenheit mit allen Wesen, wobei im Zen Lebewesen alle Formen umfasst, nicht nur Tiere und Pflanzen, auch die für uns leblos erscheinenden Formen wie Steine sind darin eingeschlossen.
Zen hebt die Trennung von einem Ich und einem anderen auf, überwindet Gegensätze, nicht als Gedanke, sondern als tiefe Erfahrung, als Sein.
Es gibt im Zen ein altes Bild, das dies sehr deutlich macht:
Es ist das Bild von dem Ozean und der Welle.
 

In dem Bild wird das allumfassende Sein mit einem Ozean verglichen. Dieser Ozean vollzieht sich in Wellen. So wie jede Welle der Vollzug des Ozeans ist, so sind alle Phänomene, alle Formen Ausdruck des einen Seins.
Dies zu erkennen, heißt sein wahres Wesen erkennen. Mit unserem Alltagsgeist sehen wir nur die Wellen, die von einander getrennt und auch von einander verschieden sind. Unser Alltagsgeist verwehrt uns den Blick auf den Ozean. Den Ozean in den Wellen  zu erkennen, dazu bedarf es des reinen Gewahrseins, das nicht bewertet und benennt.
 

Dieses wird im Zen als das Sehen mit dem Herzen beschrieben.
Den Alltagsgeist hinter sich lassen und den bewertenden Geist vorüberziehen lassen, öffnet den Herz-Geist.
Daher beschreibt Zen seine Übung des Gewahrseins als Erwachen des Herz-Geistes. 
 

Aus dem Herz-Geist entfaltet sich die vorurteilsfreie und nicht bewertende Annahme. Der Herz-Geist lässt mich mein Selbst im anderen erfahren oder wie Dogen Zenji sagt, alle Dinge erwecken mich.
Denke ich an andere, denke ich an mich, betrachte ich das andere, betrachte ich mich.

 

Eine kleine Zen - Geschichte beschreibt dies sehr eindrücklich:
Eines Tages kam ein Schüler zum Meister und sagte: „Meister, ich bin jetzt soweit, dass ich nur noch an die anderen denke.“ „Oh“, meinte daraufhin der Meister: „und ich bin soweit, dass ich nur an mich denke.27

Dieses Schauen mit dem Herz-Geist ist die Haltung des reinen Mitgefühls, das keinen Grund und keine Eigeninteressen kennt.
Damit steht das Mitgefühl im Zen als Lebenshaltung im Mittelpunkt.
Mitgefühl im Zen basiert nicht auf der Bewertung der Wellen, sondern gründet in dem tiefen Bewusstsein, dass Alles Ausdruck des Ozeans ist. Mitgefühl ist die radikale Akzeptanz des Augenblicks, ist die radikale Annahme dessen, was ist.
Diese radikale Akzeptanz ist nicht passiv, sondern höchst aktiv. Sie kann sich manchmal als Nein und manchmal als ein Ja vollziehen. Sie hat mit Duckmäusertum nichts zu tun. Diese radikale Akzeptanz kennt kein Ausweichen, keine Entschuldigungen, sie lässt sich auf das Hier und Jetzt vorurteilsfrei und absichtslos ein.

 

Der Impuls für unsere Gesellschaft:

Zen kennt daher keine Ethik in dem Sinne, dass es Regeln aufstellt. Zen ist ethisches, verantwortungsvolles Handeln aus einem tiefen Mitgefühl heraus. Gehe ich im Zen-Geist, d.h. wach und im Bewusstsein des Einsseins mit allem,
trample ich nicht auf allem und jedem herum, ich würde ja auf mir selbst herumtrampeln.
 

Höre ich im Zen-Geist, höre Ich mich im anderen.

Arbeite ich im Zen-Geist, gibt es kein „um zu“. Ich bin im Augenblick das Tun selbst und damit frei von jeglichen Absichten.

Dieses tiefe Bewusstsein mit allem eins zu sein, lässt eine neue Kultur wachsen, diese Geisteshaltung entfaltet eine Kultur der Verbundenheit mit allem.
Diese Verbundenheit macht vor keinem Bereich halt. Es gibt keinen Raum, wo diese Geistes-Haltung nicht gelten würde.

 

Im Westen hat sich die Vorstellung von einem isolierten, eigenständigen Ich durchgesetzt, das anscheinend nur nach seinen Vorteilen gieren muss, um nicht unterzugehen. Diese Vorstellung führt uns in eine große Krise der Isolation, Ausbeutung und Überforderung. Menschen, Tiere, die ganze Erde sind zum Produkt geworden.

Ein Bewusstseinswandel aus der tiefen Einsicht, dass nichts von uns getrennt ist und wir eins sind mit allem, könnte unserer Gesellschaft eine neue Richtung weisen.
 

Wie entscheidend wäre es doch, zu erkennen, dass alle Wesen Ausdruck des einen Lebens sind. Aus einer solchen Haltung heraus ist es absurd, Menschen, die Tiere, die Pflanzen und die ganze Erde als Ware zu degradieren.
Wenn ich erfahre, dass ich eins bin mit allem, wie könnte dann Hass und Gier sich breit machen?
Der Zen-Geist kann ein Geschenk für unsere Kultur sein.
Durch seine kultur- und religionsübergreifende Dimension ermöglicht es uns im Westen, einen ganzheitlichen, spirituellen Weg zu beschreiten.
Die Engführung auf den Intellekt, die dem Menschen seine religiöse und damit menschliche Dimension raubte, erfährt durch den Zen-Geist eine Weitung, die uns wieder das Erleben unser Ganzheitlichkeit ermöglicht. Ganzheitlich in dem Sinn, dass wir unser wahres Selbst in allen Wesen erfahren.
Diese Selbstverwirklichung lebt und erfährt sich als Hingabe an den anderen.

 
Doris Zölls, Februar 2011

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