Kontemplation Drucken

Wort und dessen Bedeutung

 

Das Wort Kontemplation wird im allgemeinen Sprachgebrauch sehr unterschiedlich benutzt und verstanden. Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde geht der ursprünglichen Wortbedeutung nach.

 

Kontemplation
Vgl. Achtsamkeit, Gebet, Gegenwart, Gelassenheit, Ich,
Meditation, Monismus, Mystik, Religion, Ritus, Spiritualität,
Verstand, Wahrheit, Weg, Welt...........................

 

1. Wort und dessen Bedeutung
... Diese soll nicht die einzig mögliche, aber eine mögliche sein, um konkretes Verständnis zu ermöglichen, das mitteilbar ist und geteilt werden kann, ohne dass mit demselben Wort Unterschiedliches gemeint ist. Das Wort Kontemplation, aus der lateinischen Sprache stammend, ist eine Zusammensetzung.
 
Der Kern des Wortes, „temp “, hat wohl die ursprüngliche Bedeutung spannen,
dehnen, ziehen, meint dann als „templum“ das „Gespannte“, „Gezogene“, dies angewendet auf „Pflock“, „langgestrecktes Holz“, etwa die über die Dachsparren gespannten Querhölzer.

Betrachtet man diese von unten, bevor das Dach gedeckt ist, ergeben gleichsam abgesteckte Ausschnitte am Himmel. Diese Ausschnitte, also die gedachten abgesteckten rechteckigen Bezirke am Himmel, dienten den römischen Auguren dazu, den Vogelflug in bestimmte Distrikte zu unterteilen und innerhalb
dieser Distrikte zu verfolgen, um aus dieser Himmelsschau Deutungen verschiedener Art zu ziehen.
 
So kommt es auch zur Bedeutung „schauen“. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn noch RICHARD VON SANKT VIKTOR (um 1110–1173) die Formen von „contemplatio“ im Sinne von „Beschauung“ mit den Formen des Vogelfluges vergleicht (RICHARD VON SANKT VIKTOR, De Gratia Contemplationis I, V).
 
Nun aber steht im Wort „contemplatio“ zunächst das „con “, das „zusammen“ bedeutet. Es ist also eine Zusammenschau abgesteckter Bezirke des Himmels und auf der Erde, was zu dem Wort „templum“, „Tempel“ führt: auch auf der Erde ein „abgesteckter Bezirk“, eben das Heiligtum. Dieses steht in einem Verhältnis zum himmlischen Bezirk, und beide „zusammenzuschauen ist ursprünglich „contemplatio“.
 
Was bedeutet dies? „Schau“ ist nicht der ursprüngliche Wortsinn von „contemplatio“, sondern „zwei abgesteckte Bezirke Zusammenbringen“, sie „deckungsgleich“ begreifen. Anders gesagt: Kontemplation ist, dem Wortsinn nach, Anwesenheit herstellen, Gegenwart und Einheit herstellen. Eben dies ist auch der spirituelle Sinn von „Kontemplation“. Dies ist auch der Grund, weshalb das griechische Wort „θεωρία“ („Theorie") mit dem lateinischen „contemplatio“ übersetzt wurde.

Auch bei „θεωρία“ ist der ursprüngliche Wortsinn, im Wort „Theater“ noch erkennbar, ein schauendes Betrachten („θεάομαι“ – „anschauen“) in der Weise, dass der Betrachter sich in Gegenwart zum betrachteten Stuck, zumal der Tragödie bringt, Anteil nimmt, die Differenz zwischen sich und dem Betrachteten
„zusammenlegt“, überwindet (vgl. ARISTOTELES, Poetik 1449 b 24–28). So ist „Kontemplation“ wohl „Schau“, aber „Schau“ in bestimmter Weise, den Dualismus auf Monismus hin tilgend.
 
(aus Bernhard Uhde „West-Östliche Spiritualität –
Die inneren Wege der Weltreligionen“, Seite 36/37, Kreuz Verlag, 2011)

 
 

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