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Alexander Poraj: Liebe Drucken

Neben den vielen anderen Festen, ob sie religiös sind oder nicht, ist Weihnachten wohl das beliebteste. Es ist für die meisten von uns das allerliebste Fest des Jahres, und es will, wie wir den beschreibenden Adjektiven entnehmen können: das Fest der Liebe sein.

 
Die Liebe jedoch ist weder ein Gefühl noch ein Zustand, der „gehabt“ werden kann und der sich nur unter ganz bestimmten Umständen oder mit ausgesuchten Personen ereignet. Das wäre nicht nur tragisch, sondern vielmehr könnte dann überhaupt nichts und niemand existieren. Denn die Liebe ist das, was ist, und so, wie es ist – unabhängig davon, ob es uns passt oder nicht. 
 
Anders gesagt: Gerade weil wir als Menschen im besonderem Maße die Fähigkeit entwickelt haben zu vergleichen, zu urteilen, zu wählen, abzulehnen, sich zu- oder abzuwenden, etwas ganz besonders zu mögen oder ganz stark zu hassen, sorgen wir im Feld der Liebe für einigen Wirbel und Unruhe. Genauer gesagt: In jedem Augenblick verkörpern wir eine ganz bestimmte Qualität, ja wir sind diese Qualität. Wenn wir etwas sehen und wahrnehmen, ereignen sich in diesem Augenblick Sehen und Wahrnehmen. Wenn wir etwas lieben oder ablehnen, ereignen sich in diesem Augenblick Liebe oder Ablehnung. Warum? 
 
Wir gehen irrtümlicherweise davon aus, dass es ein „Ich“ gibt, das unabhängig vom Denken, Wollen oder Fühlen ist. Das scheint aber nur so zu sein. Die im Bruchteil einer Sekunde stattfindende Identifikation des Bewusstseins mit dem Gefühlten, Gedachten oder Gewollten ist nur ein Bestandteil der Wahrnehmung – den wir jedoch für ihren Ausgangspunkt halten. Das geschieht vermutlich aufgrund der Schnelligkeit dieses Prozesses. Gerade weil dies bei jeder gedachten oder gefühlten Regung und Bewegung der Fall ist, etabliert sich das Grundgefühl eines stabilen Bezugspunktes für die gesamte Wirklichkeit, das sogenannte „Ich“. Damit ist das „Ich“ immer schon eine Eingrenzung der sich ereignenden Wirklichkeit, weil es die Identifikation mit einem ganz bestimmtem Wollen oder Nicht-Wollen, Vergleichen und Urteilen ist. Und weil es eine permanent stattfindende Eingrenzung ist, kann es auch nur sehr, sehr begrenzt in den Genuss der sich immer ereignenden Liebe kommen. 
 
Von seiner Grunddynamik gesehen, charakterisiert sich das „Ich“ als die Eingrenzung der Liebe. Die Liebe ist. Das „Ich“ dagegen wird ständig gemacht.
 
An Weihnachten feiern wir das Fest der Liebe. Und wir feiern es dadurch, dass wir uns entgrenzen. Wir beschenken nicht nur Menschen, die uns lieb und teuer sind, sondern auch diejenigen, die von uns ausgegrenzt worden sind, individuell wie kollektiv. Wir laden uns gegenseitig zum Essen ein, wir besuchen Menschen, die wir sonst nur selten sehen und die am Rande unseres täglichen engen Bewusstseins leben. Wir verengen an diesen Tagen unser Bewusstsein nicht in gewohnter, durchsetzungsstarker Weise. Wir kämpfen nicht, wir wollen endlich einmal nichts anderes, als mit anderen da zu sein. Wir erlauben es uns, einfach da zu sein. Damit erlauben wir es auch den anderen. Es ist ein Fest des Daseins, an dem jede/r dadurch teilnimmt, dass er/sie da ist. Das gilt nicht nur für die Mitmenschen, sondern auch für die Tiere und für die gesamte Natur. Alles wird gefeiert in seinem Dasein. Es ist wahrlich ein Fest der Liebe.
 
Und weil wir das „Seinkönnen“ als natürliche, schöne und anstrengungslose Fülle erleben, nennen wir es seit Jahrhunderten „Segen“.
 
In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Weihnacht.
 
Alexander
 

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