Benediktushof - Zentrum für spirituelle wege
Kontemplation
 
Der kochende Buddha – "Meisterliche Zen-Rezepte" Drucken

Doris Zölls, Christof Zirkelbach und Barbara Proske sprechen über ihr Kochbuch.

 

Bereits zum zweiten Mal geben Zen-Meisterin Doris Zölls, Küchenchef Christof Zirkelbach und die Köchin und Kräuterexpertin Barbara Proske ein Kochbuch heraus und verraten wieder kreative Kochideen und Lieblingsrezepte aus der Küche des Benediktushofes. Und weil das Auge bekanntlich mit isst, ist das Buch mit wunderbaren Aufnahmen des britischen Kunstfotografen Roger Hutchings bebildert. 

 
Im Gespräch zeigen Doris Zölls, Christof Zirkelbach und Barbara Proske auf, was uns das Kochen und Essen über das Leben lehren kann. 
 
Frage: Die Verbindung von Zen und Kochen lässt aufhorchen: Schließlich kennen wir den Buddha sitzend in der Meditationshaltung, die Darstellung eines kochenden Buddha ist hingegen weniger bekannt. Was ist die Essenz eines Zen-Rezepts?
 
Christof: Die Zen-Essenz ist beim Kochen immer das Hier und Jetzt. Es teilt sich beim Kochen direkt mit: Jetzt muss ich umrühren, sonst brennt mir die Suppe an. Daraus ergibt sich die Dringlichkeit der Konzentration und des direkten Handelns. Übertragen auf die Kunst ist die Kunst des Kochens die Performance selbst. 
 
Doris: Die Kunst beim Kochen ist, zu erkennen, dass es kein Rezept gibt – nicht beim Kochen und auch nicht fürs Leben. Wenn ich koche, ist jedes Mal anders und einmalig. Wenn ich strikt nach Rezept koche, werde ich der jeweiligen Situation nicht gerecht. Ich kann lernen, die Fülle zu sehen, aus der ich tatsächlich schöpfe, und mich dadurch von dem Gefühl trennen: „Erst wenn alles da ist, dann stimmt es“. Vollständigkeit und Perfektion sind beim Kochen wie auch im Leben ein unerreichbarer Zustand. Wenn wir uns das trotzdem zum Ziel setzen, erzeugt das ständig ein Gefühl von Unzufriedenheit. 
 
F.: Gäste des Benediktushofs wissen die besondere Qualität der Mahlzeiten zu schätzen. Viele fragen nach den Rezepten. Wie kommt es, dass die Speisen nicht nur schmecken, sondern offensichtlich auch die Seele nähren?
 
Christof: Am Benediktushof wird pro Mahlzeit nur ein Gericht aufgetischt. Umso wichtiger ist es, die Menschen mit dem Geschmack zu überzeugen. Ich verbinde meine Erfahrungen aus gehobenen Restaurants mit der Philosophie des Hauses: Es geht darum, bis zu 130 Leute gleichzeitig zu verpflegen, doch anders als in der klassischen Versorgungsküche wird das Essen frisch und auf den Punkt zubereitet und zeitnah abgeschmeckt. Diese Sorgfalt können die Gäste schmecken; zugleich nehmen sie auch die originellen Geschmackskombinationen bewusst wahr. Durch das Schweigen bei Tisch wird diese Verbindung noch viel spürbarer. 
 
F.: Kochen für bis zu 130 Leute funktioniert sicher nicht ohne Planung, Kalkulation und Zeitdruck. Wie geht das mit dem Zen-Geist zusammen?
 
Doris: Zeitdruck entsteht dadurch, dass ich nicht im Augenblick, sondern in Gedanken bei der Zukunft bin. Dem kann ich entgehen durch Präsenz, Wachheit und Aufmerksamkeit. Wenn ich ganz aus diesem Geist heraus praktiziere, entstehen auch keine Gedanken wie: „Jetzt habe den ganzen Vormittag gekocht, und in wenigen Minuten ist alles weggegessen“. Wenn der Wert des Kochens an sich gegeben ist, werden Lob und Anerkennung quasi gleich-gültig. Es ist zwar schön sie zu bekommen, aber wir sind nicht abhängig davon. 
 
F.: Ein Kapitel im Kochbuch ist der Gleich-Gültigkeit beim Kochen gewidmet. Doch bei aller Kreativität und Intuition sollte ja auch etwas Essbares auf den Tisch kommen. Wie geht das?
 
Christof: Gleich-Gültigkeit beim Kochen bedeutet für mich, dass es keine Vorlieben gibt, sondern dass jedes Lebensmittel gleich gültig an seinen Platz gebracht werden muss – wobei die richtigen Geschmackskombinationen einander unterstützen. Nehmen wir zum Beispiel die roten Beete: Ich kann sie als Suppe zubereiten, gekocht oder gebacken. Und ich kann mit den Geschmacksvarianten spielen: Unterstreiche ich den erdigen Geschmack oder mag ich es fruchtig mit einem Apfel oder säuerlich mit Balsamico oder lieber nussig? 
 
F.: Ein Teil der Zutaten wird im Garten geerntet oder stammt aus der freien Natur von Wald und Wiese. Haben wir vergessen, wie gut und umfassend die Natur uns nährt?
 
Barbara Proske: Wenn ich am Benediktushof einen Kräuterkurs halte, gehe ich mit den Teilnehmern auch nach draußen. Wir bestimmen Wildkräuter und kochen damit, zum Beispiel mit Schafgarbe. Oft bekomme ich später die Rückmeldung von den Kursteilnehmern: „Plötzlich sehe ich überall Massen von Schafgarbe, wenn ich draußen bin.“ Es braucht also erst wieder die Aufmerksamkeit, um zu sehen, dass die Natur voller Nahrung ist, ein reich gedeckter Tisch
 
F.: Kräuter und Gewürze spielen in der Küche am Benediktushof eine große Rolle …
 
Barbara: Durch Kräuter und Gewürze wird die vegetarische Küche abwechslungsreicher. Ist ein Gemüse speziell gewürzt, kann ich damit einen Überraschungseffekt erzielen – dadurch wird auch der Geist wacher: „Aha, so kann das also schmecken.“ Und gerade im Herbst und Winter spielen Gewürze eine wichtige Rolle, denn die Auswahl an saisonalem Gemüse ist eingeschränkt. Mit Gewürzen kann ich Gemüse wie Möhren oder Wirsing immer wieder neu in Szene setzen und neue Geschmackserlebnisse kreieren.
 
F.: In den „Meisterlichen Zen-Rezepten“ finden sich Einflüsse aus der orientalischen ebenso wie aus der mediterranen oder regionalen Küche bis hin zur Vollwertkost. Trotzdem kommen die meisten Gerichte mit einer überschaubaren Zutatenliste aus und sind leicht nachzukochen. Warum?
 
Doris: Es geht nicht um Schlichtheit der Schlichtheit willen, sondern darum, das Wesen von etwas zu erfassen. Darin kann ich dann die ganze Fülle des Lebens erkennen. Die Japaner pflegen eine besondere Ästhetik des Essens: Reis wird geformt und einem Berg nachempfunden, das Gemüse wird liebevoll in Form geschnitzt. Auch Ästhetik und Hingabe sättigen uns, weil sie im Körper das Gefühl der Fülle berühren. 
 
Christof: Es gibt eine Linie, die sich durch alle Rezepte zieht: Sie sollen einfach, klar und frisch sein. Bei den Zutaten sind wir saisonal, bei der Zubereitung global. Oft herrscht der Glaube vor, dass eine Vielfalt an Zutaten gleichbedeutend ist mit raffiniert. Werden aber zu viele Zutaten und Farben gemischt, wird das Essen braun. Die Frage ist vielmehr: Welche Zutaten sind vorhanden, was ist ihr Grundgeschmack und wie bringe ich den am besten raus? 
 
F.: Am Benediktushof wird auch beim Essen Wert auf Rituale gelegt, wie das Schlagen mit dem Gong oder das Schweigen. Viele Menschen empfinden das als sehr wohltuend. Was steckt dahinter?
 
Christof: Ich halte mich an einen altmodischen Satz: „Essen ohne Gebet macht krank.“ Wenn ich nicht bewusst bin, verliert das Essen an Qualität. Wenn ich schlinge, dann kann das Essen nur bedingt gut sein und mich nähren. 
 
Doris: Im Schweigen kommen unsere tiefen, evolutionsbedingten Muster wieder ans Licht. Vor allem mit Nahrung und Essen verbinden sich viele Ängste: „Ich bekomme nicht genug“, „Ich habe nicht genügend Zeit“ oder „Die anderen essen mir alles weg“. Am Benediktushof essen wir bewusst im Schweigen, um diese Muster zu erkennen. 
 
F.: Vielen Dank!
 
 
Meisterliche Zen-Rezepte. Achtsam kochen, lustvoll genießen. Kösel, 2011.
Zu erwerben zum Beispiel im Online-Shop des Benediktushofs.
 

Kurse

27.04.2017
Einsamkeit und Innere Verbundenheit ...  mehr

28.04.2017
Frauenkurs - Kontemplation, Tanz und Rituale ...  mehr

28.04.2017
Kontemplation-Einführung ...  mehr

28.04.2017
Zenmeister Dogen: Shinjin gaku do Zenmeister Dogen: Shinjin gaku do Den Weg mit Körper und Geist üben. ...  mehr

weitere ...
29.04.2017
Zen am Samstag ...  mehr

30.04.2017
Vegan-Vegetarisches Brunch im TROAND ...  mehr

01.05.2017
Heilpflanzentag Frühling ...  mehr

01.05.2017
Feiertags-Schlemmer-Büffet im TROAND ...  mehr

weitere ...

Bestellung Programmheft

Hier können Sie das gedruckte Programmheft anfordern oder dieses als PDF Datei herunterladen:

 

Programmheft anfordern