Benediktushof - Zentrum für spirituelle wege
Grusswort
 
Grußwort von Willigis Jäger Drucken

Verantwortung für die Welt


Willigis Jäger weist auf das Bewusstsein der Einheit

Wirkliche Verantwortung entsteht nicht aus Befehlen, sondern aus der Bewusstseinsebene von Einheit, Verbundenheit und Liebe.

 

In den Jahrtausenden seiner geschichtlichen Entwicklung durchlief der Mensch zahlreiche Stadien. Er kam aus einer vormenschlichen Tiergattung, entfaltete sich in ein magisches Bewusstsein, von da in ein mythisches Bewusstsein, in dem es einen Götterhimmel gab, der die Menschen überwachte. Die Entwicklung ging weiter in ein mentales Bewusstsein, in dem wir heute existieren. Begriff und Inhalt von Verantwortung war bis jetzt immer einem Gebot unterworfen. Aber Gebote hatten in der Menschheitsgeschichte noch nie viel Erfolg. Wirkliche Verantwortung entsteht nicht aus Befehlen: „Du sollst, Du musst und Du darfst nicht!“, sondern aus der sich anbahnenden neuen Bewusstseinsebene von Einheit, Verbundenheit und Liebe, die alle Wesen verbindet.


Seitdem wir Ich und Du sagen konnten, brachte Kain seinen Bruder Abel um, was sich bis in unsere Tage hinein entsetzlich gesteigert hat. Wir sind eine Spezies, die sich gegenseitig umbringt. Die norwegische Akademie der Wissenschaften hat errechnet, dass seit dem Jahr 3600 vor Christus insgesamt 14.513 Kriege stattfanden. Dabei gab es drei Milliarden 64 Millionen Tote. Nur 292 dieser rund 5600 Jahre waren ohne Krieg. Es wird in der Menschheit auch weiterhin Kontroversen geben, aber man wird sie nicht mehr mit Gewalt lösen.

 

Unser tiefstes Wesen
Wie gelangt der Mensch zu dieser Bewusstseinsebene der Einheit, wenn Gebote und Befehle sie bis jetzt nicht herbeiführen konnten? Wie sieht der Weg in eine wirkliche Verantwortung aus?

 

Die Religionen sprechen vom moralischen Verhalten. Das kann eine Hilfe sein, aber es bleiben Bemühungen des Ichbewusstseins, was uns offensichtlich als Spezies nicht weitergebracht hat. Wenn wir in die Menschheitsgeschichte und in die Religionsgeschichte schauen, müssen wir leider feststellen, dass am Ende immer Machtstrukturen das Sagen hatten, auch in den Religionen. Erst wenn wir unseren transpersonalen Seinsgrund erfahren, der unser wahres Wesen ist und dem die personale Eingrenzung entsteigt, werden wir zur Verantwortung für alle und alles gelangen.


Wirkliches moralisches Verhalten entspringt aus der Erfahrung dieses unseres tiefsten Wesens, das weder Anfang noch Ende kennt. Es führt uns heraus aus dem Wahn, dieses kleine Ich und seine Aktionen seien der Mittelpunkt der Welt und Sinn unseres Lebens. Moralisches Verhalten und Verantwortung gelingen nur, wenn der Mensch sich befreit aus der Verstrickung in sein Ich, d. h. von der Tyrannei der Gedanken, Begierden, Emotionen, Ängste und Weltanschauungsmustern.

 

Die Veden nennen das ‚Verstrickung in Maya’. Maya heißt wörtlich, ‚das, was nicht ist’, was keine Permanenz besitzt. Der Mensch identifiziert sich mit dem, was eigentlich gar nicht ist. Maya ist unser Ichbewusstsein, aus dem unsere Begierden, Ängste, Vorstellungen kommen. Diese Energie ist nicht schlecht. Sie ist genau so die Energie des Seinsgrundes wie alles andere. Sie dominiert nur in verwirrender Weise. Das Ziel ist also, sich aus dieser Verwirrung, aus dieser Tyrannei des Ich zu befreien.


Verantwortung entsteigt also nicht einem „Du sollst“ „Du musst“ oder „Du darfst nicht“. Nur wenn der Mensch eins wird mit seinem Seinsgrund hört die Identifikation mit dem Ich auf und wir begreifen mehr von der Einheit unseres wahren Wesens, das alles verbindet und dem das Ich entstiegen ist. 

 

Die Illusion durchschauen
Auch die Religionen neigen dazu, uns Fesseln anzulegen, wie schon der Mystiker Kabir sagt:
„Da ist nichts als Wasser in den heiligen Bädern; und ich weiß, dass sie nutzlos sind, denn ich habe gebadet in ihnen. Ohne Leben sind alle Bilder, sie können nicht sprechen; ich weiß, denn ich schrie sie laut an. Koran und Purana sind nichts als Worte, lüftend den Schleier hab' ich's gesehen. Kabir gibt Ausdruck den Worten, die auf Erfahrung beruhen, und er weiß sehr wohl, dass alles andere unwahr ist".


Ziel unseres menschlichen Weges in die Zukunft unserer Spezies ist eine Erfahrung dieser Einheit mit unserem Seinsgrund.
Wie gelangen wir in diese Verantwortung, die unseren Egozentrismus übersteigt? Wie wird man frei von allen Anhaftungen? Wie überwindet man auch Anhaftungen an religiöse Überzeugungen? Im Hinduismus ist es der Weg des Vedanta, der aus jeder intellektuellen Eingrenzung befreit. Mystik und Zen, wie auch der Weg des Sufismus führen ebenfalls dorthin. Sie enthüllen ihm alle Verhaftungen, so wie die Sonne alles erhellt, wenn sie aufgeht. Befreit wird dann der Mensch von der Angst vor Vergänglichkeit und Leid. Der Aufschwung der Menschheit zu diesem Bewusstseinsstand ist das Ziel aller spirituellen Wege des Ostens und des Westens. Wir werden dann herausgeführt aus der Illusion und aus dem Wahn, dieses kleine Ich und seine Aktionen seien Mittelpunkt und Sinn des Lebens.

 

Der Seinsgrund kennt keine Zeit
So verstehe ich auch Jesus. Er sagte einmal: „Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche?“ (Jo 3,12). Himmlische Dinge, das ist dieser Seinsgrund, der keine Zeit kennt. Wenn wir erst einmal fasziniert sind von dieser inneren Landschaft, von diesen „himmlischen Dingen“, mit denen unser wahres Wesen gemeint ist, fallen auch die äußeren Dinge an den richtigen Platz. Weitergehen wird nicht unsere Ichstruktur, wenn wir sterben, weitergehen wird dieser „zeitlose Urgrund“, der unser wahres Wesen ist und dem alles entsteigt. –
Es wird heute viel zu viel von Wiedergeburt gesprochen. Wiedergeboren wird nicht unser Ich. Diesem „zeitlosen Urgrund“ entsteigt sicherlich wieder eine Form. Aber ob sie etwas mit der vorausgehenden zu tun hat, wissen wir nicht. Wenn wir erst einmal in unser tiefstes Wesen eingetaucht sind, gibt es keinen Tod. Sterben kann immer nur unser Ich. Der zeitlose Urgrund, dem alles entsteigt, kennt keine Zeit. Dort ist der Grund des Seins.


Rose Ausländer kann daher sagen: „Vor seiner Geburt war Jesus auferstanden. - Sterben gilt nicht für Gott und seine Kinder. Wir sind Auferstandene vor unserer Geburt.“ – Der Sufi-Mystiker Rumi drückt es wie folgt aus: „Bevor es Garten, Weinstock oder Traube gab in dieser Welt, war unsere Seele bereits trunken vom Wein der Unsterblichkeit.“ Und Meister Eckhart formuliert es so: „Wenn ich in den Grund, in den Boden, in den Strom und in die Quelle der Gottheit komme, so fragt mich niemand, woher ich komme oder wo ich gewesen sei. Dort hat mich niemand vermisst.“ (Pred. 26) Wir waren nie außerhalb unseres wahren Wesens.
Willigis Jäger

 

 

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