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Spirituelle Krisen: Formen - Gefährdung – Wandlung

 

Priv.-Doz. Dr. med. Torsten Passie und Dr. med. Elisabeth Petrow gehen auf verschiedene Formen von spirituellen Krisen ein und woran wir sie erkennen.


Das Schreiben über spirituelle Krisen setzt eigentlich eine Definition von Spiritualität voraus. Dies kann hier nicht geleistet werden. Wir verstehen - sehr vergröbert - unter Spiritualität eine Haltung, Lebensführung und Orientiertheit, welche die Bezogenheit auf das All-Eine als eine dem individuellen Ich übergeordnete Wirklichkeit, in welcher alles in seiner Verbundenheit miteinander erfahrbar ist, realisiert und sich in Toleranz, mitmenschlicher Güte und einer entwicklungsbezogenen Haltung entfaltet.

 

Spiritualität bedeutet auch ein Ergriffensein vom Geheimnis „Gott“; diese Erfahrung bleibt jedoch unverfügbar.
Spirituelle Erfahrungen weisen über die Grenzen des gewöhnlichen subjektgebundenen Erlebens hinaus und führen damit zu einer Relativierung des Ichs.

 

Was „Ich“ vordem dachte, sah, hörte und mit Feuereifer zu erreichen trachtete und verteidigte, wird relativ. Neben mir, über mir, um mich herum, sogar in mir werde ich eines anderen, ungeahnt Größeren gewahr.

 

Drei Formen von spirituellen Krisen

Geht es um spirituelle Krisen, so können nach unserer Ansicht drei grundsätzliche Formen unterschieden werden:

 

Ursprünglich geht der Begriff „spirituelle Krise“ auf Hilfsangebote zurück, Menschen, die in massive psychische Krisen (auch als psychotische oder psychosenahe Zustände bezeichnet) geraten, ohne Medikamente zu behandeln und das Potential einiger dieser Grenzzustände für die Selbstentwicklung zu nutzen und sie unterstützend zu begleiten. Auf diese Form gehen wir hier nicht ein.

 

Zweitens können spirituelle Krisen Sinnkrisen in Übergangs- und Umbruchssituationen sein; sie können jeden betreffen. Das beginnt vielleicht in der Pubertät, wo uns aufgrund eindrücklicher Transformationssprozesse viele über unser eigenes Leben hinausreichende Fragen beschäftigen. Auf der Suche nach „Identität“ stellen wir uns selbst (und alles andere) in Frage und suchen nach dem, was uns im Innersten, aber auch in der äußeren Erscheinung ausmacht. Hinzu kommt – weltweit - das Experimentieren mit physiologischen Extremsituationen und Drogen. Somit kann diese Suche kritische Phasen durchlaufen und sogar Gefährdung bedeuten.
 

Krisen in der Lebensmitte

Eine etwas andere Konstellation liegt der Krise in der Lebensmitte zugrunde. Zu dieser Zeit tritt die Endlichkeit des eigenen Lebens verstärkt ins Bewusstsein. Dinge, die uns in den ersten Jahrzehnten geistig, seelisch und sozial gebunden und andauernd beschäftigt haben, treten vielleicht mehr in den Hintergrund, andere Werte und Ziele wachsen und verändern die Wertehierarchie für die „noch verbleibenden“ Jahre und Jahrzehnte. Nicht selten kommt es in dieser Lebensphase zu prägnanten Veränderungen wie z.B. dem Auszug der Kinder oder dem Ende der beruflichen Expansion. Dies zwingt zu Umstellungen, da wesentliche Teile bisher identitätsstiftender Zusammenhänge verunsichert werden oder entfallen.
 

Im höheren Alter schließlich kommen eine Abnahme der Zukunftsbezogenheit und gesundheitliche und soziale Einbrüche hinzu: Freunde versterben, eigene oder die Krankheiten Angehöriger bestimmen zunehmend den Alltag. Andererseits kann die Beendigung des Berufslebens, ja sogar der Tod des Lebenspartners als Befreiung erlebt werden, mit neuen Wünschen und Plänen für die kommenden Jahre.


Wenn das vor dem unhinterfragt und selbstverständlich Geltende, das Leben bislang Leitende entfällt, wird es notwendig, sich selbst, seine Lebensführung und Orientierung, vielleicht auch das bisher gültige Welt- und Gottesbild zu hinterfragen oder überhaupt erstmals Fragen danach zu stellen. Die Suche nach Sinn, Orientierung und innerem Halt in einer sich ständig verändernden Welt kann eine “spirituelle Suche”, ein Verlangen nach unvergänglichen, unveränderlichen Inhalten auslösen und unterhalten.

 

Andererseits können spirituelle Erfahrungen erhebliche Sinnkrisen auslösen, weil das in ihnen erfahrene „Mehr“ bereichern, öffnen, aber auch erschüttern kann.

Eine dritte Form spiritueller Krisen kann sich in der Schwierigkeit äußern, das in einer (spontanen) spirituellen Erfahrung Erlebte fassen zu lernen und in das eigene Leben zu integrieren. Die Größe und Heiligkeit der Erfahrung stehen in keinem Verhältnis zum bisher Erlebten. Oft besteht die Schwierigkeit schon in der Unmöglichkeit, Worte dafür zu finden und sei es zunächst nur für sich selbst.

 

Eine weitere Schwierigkeit kann sein: Wem könnte ich es erzählen? Wer hält mich nicht für verrückt? Tiefe spirituelle Erfahrungen können daher mit einer Destabilisierung des bisherigen „Ichs“ einhergehen, in der sich vorübergehend alles, was bisher zu mir und meiner Welt gehörte, fremd und unbedeutend anfühlt.


Ein gegenteiliger Ausgang dieser Erfahrung ist ebenfalls denkbar: eine Ich-Übersteigerung in Form eines Gefühls des Auserwähltseins, des “Stolzes”, ja bis hin zum Verlust der Fähigkeit zum realitätsbezogenen Handeln und (selbst-)kritischen Reflektieren, was Kollisionen mit der Umwelt provoziert.

 

Frustrationen auf dem spirituellen Weg
Zu spirituellen Krisen können sich auch Frustrationen erweitern, wenn sich trotz größten Bemühens z.B. in der Meditationspraxis keine „Gottesbegegnung“ einstellen will oder die schon erlebte Gottesnähe in leidvolle Gottesferne umschlägt. Die Unverfügbarkeit dieser Momente und die Unmöglichkeit, spirituelle Erfahrungen willentlich (re-)produzieren zu können, stehen dem Motto unserer Zeit "man muss nur wollen" diametral entgegen und können erhebliche Zweifel an der eigenen Motivation, an den eigenen Fähigkeiten und sogar am Sinn des spirituellen Weges auslösen.

 

Auswege

Auswege aus diesen Krisen benötigen Geduld, sich ausreichend Zeit zum Neuordnen zu geben, sie benötigen Mut, wirklich zu hinterfragen und Veränderungen zuzulassen, und sie bieten die Möglichkeit zum Reifen. Hilfreich und meistens notwendig ist ein Lehrer, der begleitet, stützt, tröstet – oder den Finger auch mal auf die Wunde legt. Welche Fallstricke sich auf der Suche nach einem Lehrer befinden, ist allerdings schon ein nächstes Thema.
 

 

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