Sommerfest 2014 Drucken

Rückblick Sommerfest 2014

 

Sommerfest vom 27.-29. Juni 2014 – „Spiritualität der Weltreligionen“

 

Das diesjährige Sommerfest war ein Wochenende vieler bewegender Momente. Es gab Gesang und Trommeln, das Sabbatbrot wurde geteilt, es wurde viel gelacht und geredet. Abwechslungsreich wie das Programm war auch das Wetter: strahlender Sonnenschein wechselte mit schwarzen Regenwolken. Der guten Stimmung tat das keinen Abbruch!

 

Passend zum Thema waren Referenten aus den verschiedenen Weltreligionen eingeladen. Judentum, Christentum, Islam und Hinduismus waren vertreten, und aus dem chinesischen Bailin-Kloster kamen buddhistische Mönche mit ihrem Abt Minghai. Vorträge, Workshops und Konzerte wechselten sich ab mit Zeiten der Stille: Der Tag begann jeweils mit dem gemeinsamen Sitzen in Stille – am ersten Morgen angeleitet von Abt Minghai und am anderen von Willigis Jäger und Fernand Braun.

 

In seinem Eröffnungsvortrag am Freitag gab Dr. Michael Colsman einen aufschlussreichen Überblick über Geschichte und wichtigste Aspekte der verschiedenen Weltreligionen. Dabei stellte der Psychologe aus Bochum, der auch Tibetologie und Buddhismus studiert hat, die jeweiligen Referenten ausführlich vor. Immer wieder hob er hervor, was die Religionen verbindet: etwa Mitgefühl, soziale Verantwortung und Mystik. Seiner Meinung nach ist es die Aufgabe aller Religionen, gerade in der modernen Zeit mit ihren besonderen Herausforderungen, eine ganzheitliche Sicht des Lebens zu fördern.

 

Am Abend gab es ein mitreißendes Konzert mit jiddischer Musik: Shura Liposvky und ihr Ensemble spielten Lieder aus dem wirklichen Leben. Da es Freitag war, wurde traditionell der Sabbat gefeiert. Eine Kerze wurde entzündet und das Brot feierlich unter allen geteilt. „Was uns auch geschieht, wir sind immer fröhlich“, lautete der Refrain eines Sabbatliedes, den alle mitsangen. Zum Abschluss betonte Lipovsky, dass wir in unseren Unterschieden doch eins sind und uns gerade in unserem Nicht-Wissen treffen.

 

Den nächsten Morgen eröffnete Shura Lipovsky mit ihrem Vortrag „Spiritualität im Judentum“. Einem Midrasch zufolge würden die Menschen seit dem Sündenfall und der Vertreibung aus dem Garten Eden von der „Schechina“ begleitet, der weiblichen Seite Gottes. Die Schechina halte sich oft verborgen, komme jedoch zum Vorschein, wo Menschen einander liebevoll begegnen. Nach der mystischen Tradition des Judentums sei, so Lipovsky, der Mensch gemeinsam mit Gott für die Schöpfung verantwortlich. Der Mensch sei aber nie allein, denn Gott bezeuge sein Tun. Den Zuhörern gab sie mit auf den Weg: Spiritualität ist keine Theorie, sie muss geübt werden. Und: Weil wir nie wissen, was kommt, wollen wir immer fröhlich sein!

 

Nach einer Pause ergriff P. Marian Reke OSB das Wort: „Spiritualität im Christentum – und ihre benediktinische Variante“. Von der Wortherkunft, so erklärte er, hänge Spiritualität mit dem lateinischen „spiritus“ – „Atem“ zusammen. Der eine Atem nun, den wir alle atmen, verbinde uns mit allem Geschaffenen, und Spiritualität im eigentlichen Sinne sei das Bewusstsein genau dieses Zusammenhanges. „Einheit in der Vielfalt”, führte P. Marian weiter aus, sei ein urbenediktinisches Thema. Klöster böten Räume, die das erfahrbar machten. Das benediktische Motto „bete und arbeite“ kenne dabei die Priorität des „bete“: Die Gebetszeiten gliedern den Tag, ohne Rücksicht auf Stimmungen oder dringende Arbeiten, und dieser Lebensentwurf besitze große Heilkraft.

 

Am Samstagnachmittag folgte der Vortrag „Von den Stufen der Erkenntnis des Ewigen. Zur Spiritualität bei Farīd ad-Dīn ʿAṭṭār“ von Dr. Milad Karimi. Die islamische Mystik frage: Wie kann der Mensch zu Gott gelangen? Als Parabel auf diesen Erkenntnisweg entwerfe der persische Mystiker des 12. Jahrhunderts Farīd ad-Dīn ʿAṭṭār in seinem Epos Manṭiq uṭ-ṭair („Die Vogelgespräche“) das Bild einer Reise der Vögel zu ihrem Königsvogel, dem „Simurgh“. Sie müssen dabei sieben Täler überwinden, also die sieben Stufen der inneren Erkenntnis, bis schließlich die absolute Erkenntnis erlangt wird. Am Ende erblicken die Vögel in dem Simurgh sich selbst und in sich selbst den Simurgh, so wie das Meer der Seele in Gott mündet, und Gottes Meer in der eigenen Seele zu finden ist – führte Karimi berührend aus.

 

Der letzte Vortrag des Tages befasste sich mit „Yoga, Vedanta und Hinduismus“. Sukadev Bretz, Gründer von Yoga Vidya, hob darauf ab, dass wir als Menschen alles in uns tragen, was wir brauchen, und deswegen ein Meister in Wirklichkeit nicht nötig ist. Er verdeutlichte das anhand der Fabel von dem „Schafslöwen“, der, als Findelkind von Schafen aufgezogen, seine wahre Löwennatur verkennt – bis er sie schließlich wiederentdeckt. In einem Aufriss zeichnete Bretz die Geschichte des Hinduismus nach, und erläuterte Entstehung und Prinzip des Yoga als eines religionsübergreifenden Phänomens. „Vedanta“ schließlich sei das „Ende des Wissens“, über das hinaus es nichts zu wissen gebe, wenn die letzten Fragen nach Sinn und Sein ihre Antwort gefunden hätten.

 

Der Samstagabend entführte in die Musiklandschaften des Orients. Der aus Iran stammende Trommler Hadi Alizadeh faszinierte das Publikum sowohl mit der klassischen persischen Tonbak als auch mit der kurdischen Rahmentrommel Daf. Aller Augen hingen gebannt an den Händen des Musikers, der auf virtuoseste Weise fantastische Rhythmen und Klangfarben erschuf. Danach waren viele gerade in der richtigen Stimmung, bei Live-Musik das Tanzbein zu schwingen.

 

Den letzten Vortrag hielt am Sonntagvormittag Abt Minghai zum Thema „Chan und Buddhismus“. Minghai, der deutsche Philosophen studiert hat und bereits 2009 am Benediktushof zu Besuch war, freute sich, mit acht Mönchen und zwei Laien hier sein zu können. „Chan“, so Minghai, ist die chinesische Entsprechung des japanischen „Zen“, beide abgeleitet vom Sanskritwort „Dhyana“, was Versenkung meint. Minghai betonte vor allem den Wert des Zweifels im Chan und wies darauf hin, dass es keine Widrigkeit gebe, die Chan nicht integriere: gerade auch in Wut wie in jeder emotionalen oder mentalen Verfassung könne Chan praktiziert werden. Im Buddhismus gebe es viele Strömungen, das Herzstück sei aber stets das gleiche: das Loslassen des Egos, um das es im Chan gehe. So helfe Chan, die Wahrnehmung zu durchbrechen und zu wahrer Erkenntnis zu gelangen.

 

Wie Spiritualität auf ganz unterschiedliche, und doch miteinander verwandte Weisen gelebt und verkörpert werden kann, das wurde an beiden Tagen in Workshops vertieft. Sukadev Bretz übte Yoga, Meditation und Mantras, so dass die Teilnehmer ihren Körper spürten. Eine intensive körperliche Erfahrung boten auch die Heiligen Tänze und Übungen aus dem Sufismus mit Ingo Taleb Rashid. Wie man auf der Rahmentrommel achtsam Rhythmen hervorzaubert, zeigte Hadi Alizadeh in seinem Trommel-Workshop. P. Marian Reke sprach über die benediktinischen Aspekte der Spiritualität, Dr. Milad Karimi vertiefte mit seinen Workshop-Teilnehmern das Epos „Von den Blumen des Korans“, und Fernand Braun führte in seinem Workshop in die Kontemplation mit Körpergebärden ein. Viele nahmen schließlich die Gelegenheit wahr, sich von unseren chinesischen Gästen Taichi und die chinesische Form der Teezeremonie zeigen zu lassen.

 

Die gemeinsamen Mahlzeiten gab es in Gestalt von „Themenbuffets“, in denen sich die Vielfalt der Weltreligionen widerspiegelte. Vom fernen Asien bis zum Nahen Orient ging die kulinarische Reise, und gleichgültig, aus welchem Kulturkreis die Gäste kamen, allen mundete es. Ganz besonders schmeckte es am Samstag, nachdem die chinesischen Chan-Mönche in einer feierlichen Zeremonie das Mittagsbuffet geweiht hatten – ein erhebendes Erlebnis!

 

Das Sommerfest endete mit einem bewegenden Abschlussritual, in dem die religiösen Vertreter ihre je eigenen Zeremonien durchführten. So wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in vielen Sprachen und unterschiedlichen Riten, und doch zugleich auf innerlich verbundene Weise verabschiedet …

 

Im Nachklang wurde deutlich: So verschieden die Religionen sind, geht es doch bei allen in ihrer spirituellen Dimension um die Erfahrung des Seins. Es geht um Wachheit und Bewusstheit – und zwar nicht theoretisch, sondern in der ganz alltäglichen Praxis. Spiritualität wohnt deshalb im Körper und im Herzen mehr als im Verstand. Alle Religionen kennen die Sehnsucht nach etwas Tiefem und Verbindendem, nach Ursprung und Urgrund. Ihre Wege dorthin mögen verschieden sein oder auch verwandt – sie führen zum selben Ziel, und darin sind wir alle, unabhängig von jeder Religion, vereint.

 

 

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