Zenlehrer-Reise nach China Drucken

Zenlehrer/innen der Zenlinie "Leere Wolke" reisten im September 2010 zum Bailin-Tempel nach China. Hier der Bericht von Rudolf und Gerlind Wörner:

 

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Die Chinareise 2010

 

Um nicht sofort nach dem langen Flug eine Busreise zum Bailintempel antreten zu müssen, übernachteten wir in Peking. Das Hotel entspricht Viersternestandard. Es gibt eine große Empfangshalle.

Auch die Zimmer sind in einem großzügigen Stil gehalten. Bei einem ersten Erkundungsausflug sahen wir, wie Frauen in einem Supermarkt Obst und Gemüse anboten. An einem Fahrrad hing ein Korb, in dem Grillen in kleinen Käfigen zum Kauf angeboten wurden. Die Chinesen halten sie gerne als Haustiere und verwöhnen sie mit ausgefallenen Speisen. In einem Hotel probierten wir zum ersten Mal den guten Tee.

Wir genossen am Abend ein köstliches Essen und übten uns im Gebrauch der Essstäbchen. Am nächsten Morgen sahen wir die erste Qigonggruppe im Garten hinter dem Hotel, Ludger übte mit. Das Frühstück bot eine große Auswahl an chinesischen Speisen. Danach besichtigten wir Geschäfte in der Fußgängerzone.  

Am nächsten Morgen konnten wir mit den Klosterbewohnern frühstücken. Vor dem Mal verbeugt man sich nach Osten, dann beginnen die Mönche mit ihrem meditativen Gesang, die Speisen werden verteilt und man fängt sofort an zu essen. Jeder hat zwei Schalen. Hier kann man Reis, Gemüse, Süßes usw. voneinander trennen. Man lässt sich nur so viel auftun, wie man essen kann, denn es ist wichtig, die Essschalen zu leeren. Zum Schluss wird Wasser in sie geschüttet. Man schwenkt damit die Schalen, so dass sie sauber werden und trinkt den Rest. (Wasche deine Essschalen)

 

Im Essen haben sich die Chinesen ihre alte Kultur erhalten. Es wird nach den 5 Elementen gekocht. Das wirkt sich heilend aus. Die Qualität in den gehobenen normalen Restaurants entspricht Sternequalität.

 

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Nach dem Frühstück trafen wir uns zum Qigong.

Der Raum, der uns zur Verfügung gestellt wurde, ist geräumig und umsäumt von Kalligraphien. Das Kalligraphiebesteck war sorgfältig auf einem großen naturbelassenen Tisch angeordnet. Alles sorgte für eine gute Atmosphäre.

Mit Chichun meditierten wir anschließend in der Meditationshalle.

In China sagt man: Aus der Bewegung hat man das größte Potential für die Stille und aus der Stille das größte für die Bewegung.

Die Chan, Qigong und Taiji - Übungen sind in China miteinander verbunden.

In den früheren Jahrhunderten versuchte jede der verschiedenen Schulen beim Kaiser den größeren Einfluss im positiven und negativen Sinn zu erreichen. Es kam sogar zu Verfolgungen.

Heute kann man in China keine klare Trennungslinie mehr ziehen. Selbst Neokonfuzianer befürworten Verinnerlichung. Auch in der Geschichte, der Ochse und sein Hirte, wurde die letzte Stufe, der Hirte geht auf den Markt hinzugefügt. Hier ist Chan, Taoismus und Konfuzianismus miteinander verbunden. Um Chan, Qigong und Taiji zu verstehen, sollte man die chinesische Kultur kennen lernen (wie z.B. bei unserer Chinareise).

 

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Chichun ist einer der vier Vertreter von Abt Ming Hai. Er empfing uns gleich bei der Ankunft und aß mit uns im Klosterrestaurant, das gegenüber vom Bailintempel liegt. Er begleitete uns auf den Ausflügen zum Rinzaitempel, Longsingtempel, Teehaus mit Changarten, der Steinbrücke und Holzbrücke aus dem Koan, ein Mönch kommt zu Joshu und sagt ihm: “Ich habe eine Steinbrücke erwartet, fand aber nur eine alte Holzbrücke.” Joshu antwortet: “Es gehen Esel und Pferde darüber.”

Ich habe niemals damit gerechnet, dass ich einmal die Orte der alten Meister besuchen könnte und jetzt sah ich sie vor mir. Wir konnten die Pagoden von Joshu und Rinzai besuchen. Im Longsingtempel fand Katharina eine Dokumentation, dass man die riesige Statue vom Buddha der Barmherzigkeit mit den vielen Armen im Krieg zum Schutz vor den japanischen Bomben eingemauert hatte. Sie wurde erst vor wenigen Jahren von ihrem Steinpanzer befreit, um sie herum wurde inzwischen wieder das Tempel – Hauptgebäude aufgebaut. In diesem Tempel gibt es auch die weibliche Form von Buddha, die Guanin.

    

Chichun meditierte mit uns in der chinesischen Form. Das Chan des Rinzai ist strikt und streng. Wir meditierten 3x 40 Minuten, 20-25 Minuten Sitzen und 15 Minuten schnelles Gehen. In China kennt man kein langsames Kinhin. Die Mönche sitzen 40-45 Minuten und gehen 15 Minuten. Die Richtlinien gleichen dem Soto Zen.

Alle waren von der Meditation begeistert, auch die Teilnehmerinnen, die bisher mehr Qigong geübt hatten.

 

Nach der Meditation lud uns Chichun oft zur Teezeremonie ein. Das besondere an diesem Weg sind die verschiedenen Aufgüsse. Man konnte alle aromatischen Geschmacksrichtungen schmecken - bis zum letzten Aufguss, der wieder in den Alltag des normalen Teegeschmacks führte.

Eine Taijivorführung von Chichun zeigte uns seine starke Konzentrationsfähigkeit bei den Übungen.

Petra, Renate und Jutta entdeckten eine CD von Chichun, auf der über Qinhue, Ming Hai, Joshu und den Bailintempel gesungen wird.

Die Teezeremonie hat auch den chinesischen Mittelstand erreicht. Ihr Vorteil ist, dass sie von allen ausgeübt werden kann. Im Teehaus mit Changarten war zufällig der Tee - Generalvertreter der Provinz Hebei anwesend. Er hielt uns einen Vortrag über besondere Teesorten. Zwei Teemeisterinnen zelebrierten im Gartenhaus die Teezeremonie.

 

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            Chichun spielte auf der Qin. (ältestes Instrument in China)

 

In den Tempeln kann man alle Bewusstseinsstufen entdecken. Ein Gläubiger kann durchaus dem Volksglauben angehören und Buddha um Gaben bitten. Im  Chaolintempel kann ein Mönch auf einem Finger stehen, er hat Gotheis Finger auf die Spitze getrieben. Andere kommen über ein Philosophiestudium zum Chan. Meister Ming Hai ist Philosophieprofessor. Arthur Schopenhauer war einer der Philosophen, die ihm  Chan näher brachten. Sie alle suchen die Meister, die in China über alle Schwierigkeiten hinweg Chan aufrecht erhalten haben, wie z.B. Meister Qinhue.

Die Tempel wurden von den Japanern zerstört und von den Chinesen in den letzten 15 Jahren wieder aufgebaut.

 

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Altmeister Qinhue empfing uns mit großer Herzlichkeit in seinem Tempel. Ein Chansessin war gerade zu Ende gegangen. Wir meditierten am Nachmittag noch einmal gemeinsam. Alle konnten gut 45 Minuten sitzen. Meister Qinhue hielt einen Vortrag über das Koan Joshu und der Hund, der simultan englisch übersetzt wurde. Am Anfang forderte er uns auf, uns ganz auf Wu zu konzentrieren. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir: ”Wu ist nicht Nichts, es ist das, was gerade da ist, es ist diese unendliche Weite.”

Im Internet des Bailintempels wurde unser Besuch und der Vortrag von Meister Qinhue veröffentlicht.  Petra hat ihn inzwischen auf CD kopiert. Am liebsten wären wir länger bei ihm geblieben.

In Peking erwartete uns wieder der Alltag mit einem Massenandrang vor der verbotenen Stadt. Die weitläufigen Bauten faszinierten uns. Neu ist die Ausstellung von künstlerisch hochwertigen Museumsstücken. Wir wurden an den Film der letzte Kaiser erinnert.

Der Himmelstempel führte uns zum Mittelpunkt der Welt und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten. Die Dächer sind entsprechend dem Himmel in blau gehalten. Der Tempel ist dem Kaiser gewidmet. Deshalb sieht man oft Drachensymbole. (Im Erdtempel, der der Kaiserin geweiht ist, sind Symbole der Phönix vorherrschend.)

Beim Einkaufsbummel in Peking versorgten wir uns mit Spitzentees, Kleidungsstücken und Souvenirs.

Am Ende der Reise hatten wir den Eindruck, dass wir schon viele Wochen in China sind und doch konnten wir uns nur schwer verabschieden.

Dank an alle, die uns empfangen haben, besonders an: Meister Qinhue, Meister Ming Hai (für 2009) und Meister Chichun, auch an alle, die mitgereist sind. Besonderen Dank auch an Herrn B. Groschup, der die Reiseziele entdeckt hat und vor allen Dingen besonderen Dank an unseren Meister Willigis Jäger, der uns an die Rinzailinie in China angeschlossen hat.

Im nächsten Jahr möchten wir gerne wieder nach China reisen.

 

      

 

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